Keine Entwarnung: Euro nur scheinbar stabilisiert - DER SPIEGEL
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Keine Entwarnung Euro nur scheinbar stabilisiert

Vor dem Treffen der EU-Finanzminister hat sich der Euro leicht stabilisiert. Experten sagen jedoch, die Talsohle sei noch nicht erreicht.
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Frankfurt am Main - Der Euro hatte sich im Laufe des Freitags zunächst über der Marke von 0,87 US-Dollar stabilisiert, am Nachmittag fiel er jedoch wieder darunter. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 0,8676 Dollar festgesetzt.

Währungsexperten gaben noch keine Entwarnung. In der Vergangenheit sei man schon häufiger der Ansicht gewesen, dass der Euro die Talsohle erreicht habe. Dann sei er jedoch noch weiter gefallen, sagte Bernd Weidensteiner von der DG Bank.

Die EU-Finanzminister wollen bei ihrem Treffen in Versailles am Wochenende die prekäre Lage diskutieren. Die französische Regierung möchte dabei die Partner zu einer gemeinsamen Erklärung zu Gunsten des Euro überreden.

Selbst starke Worte könnten sich jedoch als nutzlos erweisen. Derzeit sei die psychologische Lage so schlecht, dass ein weiterer Kursrutsch nicht auszuschließen sei, sagte Weidensteiner. Zeichen für die verschlechterte Stimmung sei unter anderem der gestiegene langfristige Kapitalabfluss.

Die US-Konjunktur sei immer noch sehr stark, sagte Michael Schubert von der Commerzbank. Zwar habe der Abbau der strukturellen Defizite im Euroraum Fortschritte gemacht, doch die USA lägen immer noch vorn. Es bestehe an den Märkten daher Unsicherheit, ob sich die Wachstumsdifferenz langfristig tatsächlich verringern würde. Auch Stefan Schneider von der Deutschen Bank Research schloss einen weiteren Rückgang des Eurokurses nicht aus, beispielsweise wenn es bei der Opec-Konferenz am Wochenende in Wien keine Ergebnisse gebe.

Politiker gaben sich hingegen wie schon in den letzten Tagen optimistisch. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller sagte, der innere Wert der Währung sei entscheidend. "Und da ist der Euro stärker, als die Mark es war. Guthaben, Sparkonten - davon ist nichts gefährdet", sagte der Minister der "Bild"- Zeitung.

Luxemburgs Premier- und Finanzminister Jean-Claude Juncker erklärte im Deutschlandfunk, Kursschwankungen seien historisch gesehen nichts Ungewöhnliches. Er zeigte sich überzeugt, dass es bald keine große Lücke mehr zwischen dem europäischen und amerikanischen Wirtschaftswachstum geben werde. Juncker machte auch die "Irrationalität der Finanzmärkte" für den Kursrutsch verantwortlich.

Der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Wolfgang Roth, erklärte im DeutschlandRadio Berlin, in der Vergangenheit sei der Dollar auch manchmal bei 2,20 oder 2,25 Mark gewesen. 1985 sei er sogar mit 3,45 Mark bewertet gewesen. Er fände die Dramatisierung daher "ein bisschen daneben". Die Märkte reagierten manchmal nicht auf die Wirtschaftsdaten, sondern sie übertrieben in beide Richtungen. Die Deutsche Bundesbank habe damals auch die Nerven behalten, als die Mark so stark bewertet worden sei. "Plötzlich haben die Spekulanten Angst gekriegt und die ganze Geschichte ging in die andere Richtung", meinte Roth.