Kenneth Lay: Der Vater der Enronitis - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kenneth Lay Der Vater der Enronitis

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kenneth Lay gebührt die ebenso zweifelhafte wie einzigartige Ehre, es vom gefeiertsten US-Unternehmer der Neunziger zum meistgehassten Mann seiner Nation gebracht zu haben - und das in wenigen Monaten. Lay hatte 1985 zwei texanische Gasklitschen aufgekauft und diese zum einem Energieunternehmen namens Enron verschmolzen. Zehn Jahre später war Enron das siebtgrößte Unternehmen der USA und die weltweit wichtigste Handelsplattform für Energieprodukte. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune" wählte Enron gleich sechsmal in Folge zum innovativsten Unternehmen der USA.

Das Unheil begann, als sich Lay mit Jeff Skilling und Andy Fastow zwei Zauberlehrlinge ins Haus holte. Als Vorstands- und Finanzchef verwandelten die beiden Bilanzmagier den Energiekonzern in einen Hedge-Fonds mit angeschlossener Gaspipeline. Schulden, unliebsame Vermögenswerte und andere Bilanzleichen lagerte Fastow in geheime Subunternehmen aus. Lay war schon bald nicht mehr in der Lage, dass Treiben seiner Wunderkinder zu überblicken.

Als ihn eine Mitarbeiterin warnte, Enron werde "in einer Welle von Bilanzskandalen implodieren" soll Lay sich erstmals mit dem Problem beschäftigt haben - leider viel zu spät. Nachdem CEO Skilling sich im August 2001 "aus persönlichen Gründen" aus dem Staub gemacht hatte, flogen nach und nach die krummen Deals auf - und Präsidenten-Amigo Lay, von George W. Bush liebevoll Kenny Boy genannt, musste den Skandal alleine ausbaden. Tausende von Mitarbeitern wurden entlassen und verloren ihre Pensionsansprüche. Spätestens, seitdem Lay sich von Kongressermittlern eine Stunde lang im US-Fernsehen diverser Verbrechen beschuldigen lassen musste, ist er in den USA eine persona non grata.