Kinowelt: Vorbereitung für endgültigen Exitus - DER SPIEGEL
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Kinowelt Vorbereitung für endgültigen Exitus

Schon sechs Monate lang wurde gepokert und geschachert, doch die Rettung des Medienunternehmens Kinowelt rückte nur in weitere Ferne. Nun beugen sich die Sanierer dem Notwendigen, das formelle Insolvenzverfahren hat begonnen.
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München - Wie sich die Geschichten von Hybris und Demütigung gleichen: Die beiden Brüder Michael und Rainer Kölmel hatten in den Boom-Tagen des Neuen Marktes davon geträumt, Kinowelt zur Konkurrenz für den Rechtehändler Leo Kirch aufzubauen. Am Tag, an dem Kirchs Pay-TV-Sparte in München Insolvenzantrag gestellt hat, eröffnete nun das dortige Amtsgericht das Insolvenzverfahren über das Kinowelt-Vermögen. Kinowelt hatte vor einem halben Jahr Insolvenzantrag gestellt.

Kinowelt teilte zugleich mit, dass die Verhandlungen mit möglichen Investoren über eine Rettung "deutlich schwieriger" geworden seien. Nach heutigem Stand sei es unwahrscheinlich, dass die beiden Gesellschaften Kinowelt Medien und Kinowelt Lizenzverwertung in der bestehenden Form weiterbestehen könnten. Realistischer sei die Übertragung des vorhandenen Vermögens auf eine Auffanggesellschaft.

Die Sanierung und der Geschäftsbetrieb liefen aber dennoch unter der Leitung des Insolvenzverwalters Wolfgang Ott voll weiter, hieß es. Der Münchner Rechtsanwalt war bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden.

Die Kinowelt-Aktie brach unmittelbar nach Bekanntwerden der Meldung um rund 30 Prozent auf unter 40 Cent ein. In den Hochzeiten der Neuen-Markt-Euphorie war das Papier zeitweise bis zu 250 Euro wert.

Das Unternehmen der Kölmel-Gebrüder entstand ursprünglich aus einem Programmkino in Göttingen und hatte später seine größten Erfolge mit Filmrechten aus dem Hause Miramax, etwa für "Smoke", "Der englische Patient" oder die Horrorparodie "Scream". Der Kauf eines 560 Millionen Mark teuren Filmpaketes von Warner Brothers galt als eine der Hauptursachen für die Firmenkrise. Die Kölmels konnten nur wenige Kinohits aus ihren insgesamt 10.000 Filmrechten an ARD und ZDF verkaufen. Die Kinowelt AG häufte bis zum Schluss 370 Millionen Euro Schulden an. Im November vergangenen Jahres konnte sie einen fälligen Kredit der ABN-Amro-Bank über 71 Millionen Euro nicht mehr zurückzahlen.

Im März hatte das Unternehmen ihre "Kinopolis" Multiplex-Kino-Kette an eine Frankfurter Investorengruppe verkauft. Auch diverse andere seiner zuletzt über 60 Firmenbeteiligungen hatte der Konzern in den vergangenen Monaten abgestoßen.