Kirch-Ausverkauf Orientalisches Marktgeschrei
München - Das Schicksal muss hart und grausam sein für John Malone, den exzentrischen US-Investor mit den martialischen Spitznamen. Erst wollte der "Kabel-Cowboy" 5,5 Milliarden Euro ins Kabelnetz der Deutschen Telekom stecken, doch das Kartellamt stoppte ihn. Auch beim britischen Kabelnetzbetreiber NTL blitzte Malone nach Medienberichten ab, als er 500 Millionen Dollar für eine Tochter bot. Offenbar will niemand die Milliarden des leidgeprüften Investors haben.
Vielleicht klappt es ja bei der KirchMedia. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") sind die Emissäre der Malone-Firma Liberty Media erneut auf Einkaufstour in Deutschland. Möglicherweise schon am Montag wolle die Delegation mit den Spitzen von KirchMedia und des defizitären Bezahlkanals Premiere zusammentreffen. Die Liste der Interessenten, die um den Zuschlag für Filetstücke - oder auch schon leicht faulige Teile - aus dem Insolvenzkörper des Kirch-Konzerns ringen, würde um einen illustren Namen länger.
Glanzlose Edelsteine
Weniger bekannt ist Hicks Muse Tate & Furst. Dahinter verbirgt sich ein Wagniskapitalgeber mit Sitz in Dallas - und in punkto Unbescheidenheit kann sich sein Gesellschafter Philippe von Stauffenberg offenbar mit Malone messen. Freimütig plauderte Stauffenberg gegenüber der Londoner "Times" von bisher vertraulichen Gesprächen in München in der vergangenen Woche.
Hicks Muse stünde in Sachen Kirch in "ständigem Dialog", zitiert ihn das Blatt. Am liebsten wolle man einen der wertvollsten Teile der KirchGruppe übernehmen: ProSiebenSat.1. Alternativ werde man im Kirch-Reich womöglich die "verborgenen Juwelen" einsammeln: die Formel-1-Rechte, Jazz-Musik-Rechte oder regionale TV-Stationen. Ob die den Vergleich mit Edelsteinen wirklich verdienen, kann freilich diskutiert werden: TV.Berlin, nach offiziellen Auskünften in Alleinbesitz von Kirchs Sohn, hat bereits Insolvenzantrag gestellt.
Ohnehin gibt es eine Fülle von Investoren, die ein Vorkaufsrecht für Edelsteine hätten. Die Kirch-Banken, der Springer-Verlag und die Medienunternehmer Murdoch und Berlusconi stehen weiter vorn in der Warteschlange. Erst einmal wollen Rupert Murdoch, Silvio Berlusconi und Lehman Brothers offenbar 800 Millionen Euro frisches Kapital für die KirchMedia bereitstellen. Die Finanzspritze könnte nach Berichten der "Financial Times" und des "Australia Financial Review" nach der Kirch-Gesellschafterversammlung am 3. Juni gesetzt werden. Dann wäre Zeit gewonnen, um mit mehr Ruhe zu verhandeln.
Olympischer Geist
In den kuriosen Reigen der Interessenten reihen sich noch weitere Überraschungsgäste ein. Neben dem Axel Springer Verlag, dem Interesse an ProSiebenSat.1 nachgesagt wird, bringt sich auch der Heinrich-Bauer-Verlag ins Spiel. Der Verlagschef sehe die Chance, groß ins TV-Geschäft einzusteigen, will die "FTD" erfahren haben. Dabei hat Bauer im Fernsehgeschäft mit der Beteiligung am Produzenten Me, Myself & Eye (MME) nicht eben Glück gehabt. Auch die Mogule wichtiger Hollywoodstudios schachern angeblich mit Premiere-Managern und wollen ihnen der "Financial Times" zufolge Schulden erlassen - wenn im Gegenzug eine Beteiligung am Bezahlsender herausspringt.
So heißt die Devise der Medien-Magnaten bei den Kirch-Verhandlungen offenbar "Dabei sein ist alles". Vielleicht verlieren die Möchtegern-Käufer ihr Interesse ebenso plötzlich, wie sie es bekundet haben. Selbst Medien-Cowboy Malone verhandelt womöglich eher aus Langeweile denn aus wahrem Interesse. Immerhin hat Liberty erst im Januar Pläne für einen Einstieg bei Premiere zurückgezogen. Und Risikokapitalgeber Stauffenberg bringt es so auf den Punkt: "Ein Problem bei Kirch ist, dass sich täglich irgendetwas ändert. Es ist schwer zu sagen, was wir kaufen wollen und was verkäuflich ist."