Kirch bricht sein Schweigen "Dann frisst er mich eben"
Zusammen mit seinem Geschäftsführer Dieter Hahn sprach Kirch mit dem SPIEGEL über die aktuelle Situation seines hoch verschuldeten Unternehmens, dessen Zukunftsaussichten sowie seinen Gegenspieler Rupert Murdoch. In dem Gespräch verteidigt Kirch seine Entscheidung von 1999, Rupert Murdoch zum Mit-Gesellschafter seines damals schon darbenden Bezahlfernsehens Premiere zu machen: "Das brachte uns seinerzeit viel Geld und Wissen ein.
Dass es ein Risiko war, Murdoch mit weitgehenden Rückverkaufsrechten auszustatten, sei ihm schon damals bewusst gewesen: "Murdoch ist ein Haifisch. Haifische haben scharfe Zähne. Wer mit denen nicht schwimmen kann, der soll gar nicht erst zu ihnen ins Becken steigen.
Auf die Frage, ob Murdoch seinen ehemaligen Partner Kirch nun um dessen Lebenswerk bringen wolle, sagte Kirch dem SPIEGEL: "Dann frisst er mich eben. Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen. Die Knochen wird auch Murdoch mir schon lassen. Dennoch wolle er nicht als Zocker gelten. "Ich war nie ein Spieler, so der 75-Jährige, "sondern allenfalls ein Unternehmer mit Sportsgeist. Mich leitete kein Größenwahn, sondern die Idee, maximales Eigentum zu erwerben, um Maximales zu bewegen.
Die tiefgreifende Krise seines Konzerns, die ihn zum Verkauf großer Unternehmensteile wie seiner 40-prozentigen Beteiligung am Axel Springer Verlag zwingt, nehme er ernst, so Kirch. Besonders schwer würde es ihm danach fallen, müsste er sich auch noch von seiner Mehrheitsbeteiligung an der Formel 1 trennen, deren Erwerb Kirch als "Konsequenz und Höhepunkt meines bisherigen Schaffens zugleich bezeichnet. "Das abgeben zu müssen, wäre wirklich bitter.
Sein Geschäftsführer Dieter Hahn bezifferte die Schulden des Unternehmens auf "exakt 6,5 Milliarden Euro. Bis Ende Juni, wenn die Bayerische Landesbank einen Kredit über mehrere hundert Millionen Dollar fällig stellt, müsse "eine stabile Kapitalstruktur stehen, so Hahn zum SPIEGEL. Hauptsorgenkind des Kirch-Geschäftsführers ist Premiere: "Unser enormer Kapitalbedarf dort hat eine Größenordnung erreicht, die nicht mehr von einem einzelnen Unternehmer ohne stabile Partner realisiert werden kann.
Zur Verschiebung der Fusion der ProSiebenSat.1 Media AG mit der Kernfirma KirchMedia sagte Hahn, ein solcher Merger sei "nur unter klaren Prämissen machbar. Vorausgesetzt, dass es bis dahin keine Einigung mit den Automobilherstellern gibt, wird das Formel-1-Geschäft nicht Teil des Unternehmens sein, so sinnvoll es wäre. Ebenso müsse Premiere zuerst "eine solide Kapital- und Eigentümerstruktur bekommen oder von der Gruppe gelöst sein.