Kirch-Endspiel: Steigt Berlusconi groß ein? - DER SPIEGEL
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Kirch-Endspiel Steigt Berlusconi groß ein?

Nach fast 50 Jahren im Filmgeschäft soll Leo Kirch zum vollständigen Rückzug aus seinem Konzern bereit sein. Streit gibt es anscheinend um die Frage, wer die Mehrheit der KirchMedia übernimmt: deutsche Banken oder die Minderheitsaktionäre um Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch.
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München-Ismaning - Die Kapitulationserklärung kam offenbar am Sonntagnachmittag: Um den Konkurs seines Kernunternehmens zu vermeiden, soll Leo Kirch bei langen Verhandlungen im Sitz der Bayerischen Landesbank eingelenkt und seinen vollständigen Rückzug angeboten haben, berichten Verhandlungskreise.

Vier Gläubigerbanken unter Führung der halbstaatlichen Landesbank und die KirchMedia-Aktionäre wollen die KirchMedia demnach mit einer schnellen Finanzspritze von zunächst rund 800 Millionen Euro retten. Zwei Drittel gäben die Banken, ein Drittel Murdoch, Silvio Berlusconi und die anderen Minderheitsgesellschafter, so der Bericht. Es sei möglich, dass die Banken ihr neu gewonnenes Anteilspaket Jahre später an der Börse platzieren. Als Gegenleistung für die Hilfe verlangen die Banken anscheinend eine mehrheitliche Beteiligung an der KirchMedia.

Offenbar aber sind die Retter trotz langer Verhandlungen bis in die Nacht hinein noch uneins über ihre genaue Strategie: Die Banken stritten noch mit Rupert Murdoch und den übrigen KirchMedia-Mitgesellschaftern, wer die Mehrheit beim Kerngeschäft des Kirch-Konzerns übernehmen dürfe. "Unter bestimmten Bedingungen" wollten Berlusconi, Murdoch & Co. die Mehrheit selbst übernehmen. Bisher halten sie zusammen 20 Prozent an Kirchs Kerngeschäft.

Den Finanzinstituten - neben der Bayern LB die Commerzbank, die DZ-Bank und die HypoVereinsbank - fehle schließlich jegliche Erfahrung im Mediengeschäft, so anscheinend der Einwand der Mitgesellschafter. Zugleich forderten sie, dass die Banken auf einen Teil ihrer gewährten Kredite an Kirch verzichten. Dazu seien die vier Banken aber bisher nicht bereit, allenfalls wollten sie Kredite strecken und Zinsen vorläufig stunden.

Bei den Verhandlungen läuft derweil die Zeit davon: "Bis Karfreitag müssen wir durch sein", zitiert die "Süddeutsche" einen Teilnehmer der Gespräche. Nach Ostern würden hohe Rechnungen und Zinsen fällig, und Kirch wäre zahlungsunfähig. Der Kirch-Konzern ist mit mindestens 6,5 Milliarden Euro verschuldet. Zudem stehen ihm Milliardenforderungen vom Axel Springer Verlag, Hollywood-Studios und von Murdoch als Mitbesitzer des Abosenders Premiere ins Haus.