Kirch-Gruppe Gläubiger bekommen Geld
Hamburg - Knapp 160 Millionen Euro will Insolvenzverwalter Michael Jaffé nach Informationen des SPIEGEL in Form einer Abschlagszahlung an die Gläubiger überweisen - rund vier Prozent der Gesamtforderungen von rund 3,9 Milliarden Euro. Das geht aus einer Online-Bekanntmachung des Insolvenzverwalters hervor. Der Gläubigerausschuss muss der Zahlung noch zustimmen.
In einer ersten Tranche Anfang vergangenen Jahres waren bereits rund 300 Millionen verteilt worden. Insgesamt beträgt die Insolvenzquote damit nun etwa 12 Prozent. Aus Gläubigerkreisen heißt es, am Ende des Verfahrens könnten sogar zwischen 22 und 28 Prozent der Gesamtforderungen zurückgezahlt werden - das wäre eine ungewöhnlich hohe Quote. Allerdings werde das Verfahren voraussichtlich noch vier- oder fünfeinhalb Jahre andauern.
Ursprünglich war erwartet worden, dass die zweite Ausschüttung ähnlich hoch ausfällt wie der erste Abschlag, doch weil bei den diversen Kirch-Tochterfirmen noch immer Steuerfragen geprüft werden und Rechtsstreitigkeiten laufen, fällt die Summe nun vorerst geringer aus. Zu den Hauptgläubigern gehören Banken wie die Commerzbank, HypoVereinsbank, Bayerische Landesbank und DZ Bank, darüber hinaus haben jedoch zahllose Klein- und Kleinstgläubiger Forderungen angemeldet. Die Deutsche Fußball Liga, die heute wieder mit Leo Kirch bei der Vermarktung ihrer TV-Rechte zusammenarbeitet, gehört nicht mehr zu den Gläubigern. Sie hatte ihre Forderungen von rund 400 Millionen Euro vor über einem Jahr für 40 Millionen Euro an die HypoVereinsbank verkauft.
Kirchs Medienimperium hatte im April 2002 Insolvenz müssen und damit die größte Medienpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte hingelegt. Damals betrugen die Forderungen noch über zehn Milliarden Euro. Jaffé konnte sich aber in Verhandlungen vor allem mit den großen Hollywood-Studios deutlich drücken.
Isabell Huelsen