Kirch-Krise: Formel-1-Beteiligung wertlos? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kirch-Krise Formel-1-Beteiligung wertlos?

Kirchs nach Medienberichten zum Verkauf stehende Formel-1-Beteiligung ist möglicherweise deutlich weniger wert als bisher angenommen. Nach Abzug offener Verbindlichkeiten dürfte sie dem hoch verschuldeten Meidenunternehmen nur noch mickrige 16 Millionen Euro einbringen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Die KirchGruppe könnte einem Zeitungsbericht zufolge Schwierigkeiten haben, einen Käufer für ihren 58,3-Prozent-Anteil an der Formel 1 zu finden. Wie das "Wall Street Journal Europe" unter Berufung auf mit den Umständen vertraute Personen schreibt, könnte der Anteil inzwischen weniger als die Hälfte der 1,6 Milliarden Dollar wert sein, die Kirch vor rund einem Jahr an Krediten aufgenommen habe, um die Beteiligung zu erwerben. Als Grund für den Preisverfall nennt die Zeitung die Flaute in der Werbebranche.

Ein weiteres Detail könnte potenzielle Interessenten abschrecken: Die Formel 1 muss eine Anleihe in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar zurückzahlen. Mögliche Käufer der Anteile müssten folglich zusätzlich zum Kaufpreis die Kosten der Anleihe tragen: Wenn Kirchs Beteiligung tatsächlich nur noch die Hälfte des ehemaligen Kaufpreises einbrächte und der Besitzer der 58,3 Prozent anteilig die Schulden aus der Anleihe begleichen muss, bliebe unterm Strich ein Restwert von mickrigen 16,2 Millionen Euro übrig.

WestLB sitzt auf Formel-1-Bond

Die Formel-1-Anleihe setzt nach einem Bericht des "Handelsblatts" auch die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB) unter Druck. Die Bank war gemeinsam mit der Investmentbank Morgan Stanley Konsortialführer des Bonds, den die Formel-1-Tochter Formula one Finance BV vor drei Jahren auf den Markt brachte. Die Anleihe hatte sich allerdings sehr schlecht verkauft, so dass die WestLB nach Informationen aus Landesbankenkreisen knapp zwei Drittel in den eigenen Bestand hatte nehmen müssen.

Knapp die Hälfte davon befinde sich noch heute im Besitz der WestLB, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Bankenkreise. Die WestLB hat die Zahlen bisher nicht kommentiert und Risiken aus der Anleihe bestritten. Diese werde direkt aus den Gewinnen der Formel 1 bedient und sei damit unabhängig von der Entwicklung bei Kirch, so ein WestLB-Sprecher.

Schröder traf sich angeblich mit Murdoch

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Medienmogul Rupert Murdoch über die Finanznot der KirchGruppe gesprochen. Murdoch habe versucht, die Bedenken vor einem Engagement seines Konzerns in Deutschland zu zerstreuen, so die Zeitung. Murdoch hielt sich nach Informationen aus Branchenkreisen Anfang der Woche in Berlin auf. Im selben Hotel residierte zur selben Zeit Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Auch zwischen ihnen soll es ein vertrauliches Gespräch über die Kirch-Zukunft gegeben haben.

Als Gesellschafter des Senders Premiere World spielt Murdoch eine zentrale Rolle in der Kirch-Krise.