Kirch-Krise: Lähmende Funkstille - DER SPIEGEL
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Kirch-Krise Lähmende Funkstille

Die Situation beim hoch verschuldeten Kirch-Konzern spitzt sich zu. In Finanzkreisen hieß es am Mittwoch, wenn sich Banken und Investoren nicht doch noch auf einen Überbrückungskredit verständigten, sei eine Insolvenz kaum noch zu vermeiden.
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München - Betont wurde allerdings, dass die Verhandlungen noch nicht für gescheitert erklärt worden seien. Dennoch rücke eine Insolvenz der Filmproduktions- und Rechtegesellschaft KirchMedia immer näher. Ob ohne eine Einigung auf eine Brückenfinanzierung ein Antrag auf Insolvenz noch diese Woche gestellt werden muss, blieb unklar. Am Dienstag waren die Verhandlungen ergebnislos beendet worden. "Es gab Dienstagabend in der Tat keine Annäherung, weder in Fragen der Brückenfinanzierung noch einer anschließenden Kapitalerhöhung", sagte ein Banker.

Trotz der dramatischen Lage spielen die Verhandlungspartner offenbar auf Zeit. Derzeit gebe es keine Gespräche der Verhandlungsparteien, und es seien für Mittwoch auch keine Treffen geplant, hieß es am Mittwoch aus Bankenkreisen. Die Kreditinstitute seien weiter zu Gesprächen bereit, würden aber nicht die Initiative ergreifen. "Jetzt sind die Investoren am Zug. Falls ein Anruf kommt, werden wir uns neue Vorschläge anhören", sagte ein Bankenvertreter. Die Verhandlungsführer der Banken hielten sich in München weiter bereit. Vonseiten der Gesellschafter war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Festzustehen scheint, dass die nächsten Verhandlungsrunden erheblich härter werden. Dennoch wolle man eine Lösung "ohne Blutspur", wie ein Insider der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Nach Informationen der Zeitung stellen aber auch die Forderungen von Kirch und seinem Stellvertreter Dieter Hahn derzeit noch ein Hindernis dar. Hahn habe die Erlöse an der Vermarktung der Fußball-WM für sich und seinen Chef gefordert. Auch andere Sportrechte wollen beide künftig zu üppigen Provisionen weiter vermarkten. Die Investoren hätten dieses Ansinnen aber bereits kategorisch abgelehnt.

Vertreter der Banken HypoVereinsbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank und DZ Bank verhandeln seit Wochen mit den Kirch-Minderheitsgesellschaftern - unter ihnen der Medienunternehmer Rupert Murdoch und der italienische Mediaset-Konzern von Ministerpräsident Silvio Berlusconi - über die künftige Kontrolle des Kirch-Konzerns. Firmengründer Leo Kirch ist nach Angaben aus ihm nahe stehenden Kreisen zu einem vollständigen Rückzug bereit. Ein Bankenvertreter ging sogar noch weiter: "Ich habe den Eindruck, dass auch eine Insolvenz dem Kirch fast egal ist."