Kirch-Krise: Nationaler Notfallplan soll Murdoch abwehren - DER SPIEGEL
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Kirch-Krise Nationaler Notfallplan soll Murdoch abwehren

Die Angst vor einem Vordringen ausländischer Medienkonzerne schweißt Politiker, Medienmacher und Kirch-Gläubiger zusammen. Die Bundesregierung fordert offenbar eine "nationale Lösung", bei der alle anpacken sollen, um Kirch zu retten - und Rupert Murdoch fernzuhalten. Kleines Problem: Kirch spielt nicht mit.
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München/Berlin - In nur einem halben Jahr ist Leo Kirch vom Inbegriff unkontrollierter Medienmacht zum schützenswerten, deutschen Kulturträger mutiert. Auch die SPD-geführte Bundesregierung, die Kirch eigentlich seine Nähe zur CSU und zur alten Kohl-Regierung ankreiden könnte, sorgt sich um das Schicksal des Münchener Medienmachers.

Nun drängt die Regierung laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auf eine Teilung des Kirch-Konzerns, um den Kern des Medienunternehmens vor der Pleite zu retten. Unter Berufung auf einen führenden Vertreter der Regierungskoalition berichtet die Zeitung, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) favorisiere eine "nationale Lösung" für die KirchGruppe. Dies hat Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye zwar inzwischen dementiert. ("Eine Lösung kann und muss von den beteiligten Banken gefunden werden"). Aber der Bundeskanzler verfolge die Vorgänge mit großem Interesse.

Die Devise: Besser Kirch als Murdoch - und besser, Kirch behält einen Teil seiner Macht, als dass als rücksichtslos geltende Medienmacher wie Rupert Murdoch oder John Malone die Not der bayerischen Gruppe ausnutzen, um einen Brückenkopf auf dem bisher weitgehend von heimischen Unternehmen dominierten deutschen Markt aufzubauen. "Niemand hat ein Interesse, Murdoch den roten Teppich auszurollen", zitiert die Zeitung einen führenden Vertreter der rot-grünen Regierungskoalition in Berlin.

Dem Bericht zufolge befürwortet die Regierung ein Sanierungskonzept, das von den Banken und der Medienbranche schnell umgesetzt werden solle. Bislang scheitere dies aber an Kirch, hieß es. Das Konzept sehe vor, dass der Medienhändler nach einer Aufspaltung seines Konzerns Beteiligungen verkaufen solle, die nicht zum Kerngeschäft mit TV-Sendern und Filmrechten gehörten. Unter diesen Beteiligungen seien die Springer-Aktien und die Formel 1-Rechte. Anschließend solle das Unternehmen weiter gesundschrumpfen. Auch die halbstaatliche Bayerische Landesbank dringe auf eine umfassende Lösung der Probleme bis hin zum Verkauf von Firmenteilen, hieß es.

Die Regierung hat dem Bericht zufolge Bedenken gegen die Geschäftsmethoden des australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch, der auf den deutschen Markt dränge. Murdoch kann laut Vertrag mit Kirch im Herbst aus Premiere aussteigen und bis zu zwei Milliarden Euro zurückverlangen, die der Münchner Medienhändler nach derzeitigem Stand kaum aufbringen kann.

Auch der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen warnte im Berliner "Tagesspiegel" vor einer Pleite der Kirch-Gruppe. Das Fernseh-System aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern sei derzeit in einer guten Balance. "Wenn neue Wettbewerber wie Murdoch oder Malone auf den Markt kommen, wird diese Kultur Schaden nehmen", sagte Pleitgen und fügte hinzu: "Wir wünschen uns, dass Kirch im Spiel bleibt."

Auch Thomas Middelhoff, Chef des Bertelsmann-Konzerns, zu dem unter anderem RTL gehört, will laut "Wall Street Journal" die KirchGruppe bewahren. Bei einem Treffen mit Bundeskanzler Schröder im Dezember soll Middelhoff vor einem Vordringen der amerikanischer Konzerne nach Deutschland gewarnt haben. Auch der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma, früher Konkurrent der Kirch-Kanäle SAT.1 und ProSieben, entdeckt sein Herz für den Münchener Medien-Patriarchen: Einen angenehmeren Konkurrenten als Kirch könne man sich nicht vorstellen, wird Thoma im "Journal" zitiert.

Die Bayerische Landesbank als größter Kreditgeber des Münchner Medienunternehmens verlängerte unterdessen laut "Tagesspiegel" einen zur Rückzahlung fälligen Großkredit bis zum Jahresende. Der Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hatte zuvor gesagt, nach allem, was man lesen und hören könne, sei die Finanzbranche "unter den gegebenen Umständen nicht bereit, Kirch weitere Mittel zur Verfügung zu stellen". "Handelsblatt" und "Financial Times" berichteten, die Bayerische Landesbank wolle keine neuen Kredite an die Kirch-Gruppe vergeben. Der Sprecher der Landesbank, Matthias Lücke, wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Der "Tagesspiegel" schreibt unter Berufung auf Bankkreise, dass die prekäre Finanzsituation bei Kirch am Dienstag Thema einer Krisensitzung des Kreditausschusses der Bayerischen Landesbank gewesen sei. Dabei habe das Gremium, dessen Vorsitzender der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser ist, die Verlängerung des fälligen Kredits beschlossen. Dem Bericht zufolge will die BayernLB darüber am Mittwoch die Öffentlichkeit informieren. Die KirchGruppe ist insgesamt mit etwa fünf bis sechs Milliarden Euro verschuldet. Ein Kredit der Dresdner Bank für die Kirch-Gruppe von rund 460 Millionen Euro wurde nur bis April verlängert.

Die Bedenken gegen Murdoch beziehen sich vor allem auf seinen als rücksichtslos geltenden Geschäftsstil. Murdoch habe seine Zeitungen in England mit Preiskriegen gegen andere Verlage nach oben gebracht und benutze eigene Blätter wie die britische "Sun", um Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Auch autokratischen Regimes wie der chinesischen Regierung kam Murdoch entgegen, um Zugang zum dortigen Markt zu bekommen.