Kirch-Pleite: Döpfner hält an Verkaufsoption fest - DER SPIEGEL
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Kirch-Pleite Döpfner hält an Verkaufsoption fest

Für Springer-Chef Mathias Döpfner ist ein Engagement bei Kirch offenbar kein Thema mehr. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen verhandeln Vertreter des Verlags nun mit dem Kirch-Insolvenzverwalter über die Verkaufsoption für die Anteile an der Kirch-Senderfamilie ProSiebenSAT.1.
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Hamburg/München - "Die Forderung von 767 Millionen Euro bleibt bestehen", hieß es am Dienstag in Kreisen um den Springerkonzern. Nun müsse ausgelotet werden, wie sie erfüllt werden könne. Für das Aktienpaket von 40 Prozent, das Kirch am Verlag hatte, stehe noch das Bankenangebot.

Ziel der Verhandlungen ist es offenbar, einen Einstieg der Essener WAZ-Gruppe beim Springer-Verlag zu verhindern. "Niemand will die WAZ-Gruppe", verlautete aus Unternehmenskreisen. Die WAZ soll dem Vernehmen nach ebenfalls an dem Paket interessiert sein.

Unterdessen rückt nach dem Insolvenzantrag des Kirch-Kerngeschäfts KirchMedia auch die Zukunft des verlustreichen Bezahlfernsehens Premiere in den Vordergrund. Ein Insolvenzantrag der Sparte KirchPayTV gilt in Branchenkreisen als möglich.

Schon am Montag stand die Insolvenz kurz bevor. Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, wird es am Ende wohl in jedem Fall darauf hinauslaufen, dass Premiere mit 2,4 Millionen Abonnenten an Murdoch geht. Allerdings sei noch unklar, ob Murdoch erst ein Insolvenzverfahren abwarten will, um sich dann die Mehrheit an Premiere zu sichern. Möglicherweise kauft Murdoch aber Premiere auch schon vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Kirch hatte am Montag Insolvenz für die Kerngesellschaft KirchMedia beantragt. Die Gläubigerbanken und das neue Management wollen den Geschäftsbetrieb fortführen und die Gesellschaft als Ganzes zu erhalten. Sie sind zuversichtlich, einen Großteil der 5500 Arbeitsplätze erhalten zu können. Die Banken sind bereit, unter Umständen noch einmal eine Milliardensumme in die KirchMedia zu investieren und die Mehrheit zu übernehmen. Die Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft und der Bundesliga sind nach ersten Angaben gesichert. Leo Kirch verabschiedete sich am Montagabend in einem Brief von seinen Mitarbeitern.

An einer kleineren Beteiligung an Premiere könnten neben Murdoch auch US-Filmstudios interessiert sein, hieß es in Unternehmenskreisen. Kirch hatte mit den Studios umfangreiche Verträge über Filmrechte abgeschlossen. Die hohen Verluste des Bezahlsenders Premiere gelten als Hauptursache für die Krise im Hause Kirch. Premiere hatte 2001 Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 962 Millionen Euro. Das operative Minus betrug im vergangenen Jahr ebenfalls fast eine Milliarde Euro.

Murdoch hält derzeit 22 Prozent an der KirchPayTV. Er hatte sich eine Option gesichert, diese Anteile im Herbst gegen Zahlung von etwa 1,7 Milliarden Euro zurückgeben zu können. Wegen dieser drohenden Option dürfte sich ohne Insolvenzverfahren ohnehin kein anderer Investor außer Murdoch für die Mehrheit an der KirchPayTV interessieren.