Kirch-Pleite Prominente Pokerrunde
München - Der 54-Jährige sei ab sofort für die Bayerische Landesbank als Berater tätig, teilte das Kreditinstitut am Donnerstag in München mit. Fischer solle federführend für die Banken gemeinsam mit den Automobilherstellern und Bernie Ecclestone ein Konzept zur Weiterführung des weltweit zweitgrößten Sportereignisses erarbeiten.
Laut Finanzkreisen prüfen die Landesbank und andere Gläubigerbanken im Rahmen der Kirch-Krise eine Übernahme der Formel 1. Die Formel 1-Mehrheit liegt derzeit bei der angeschlagenen KirchGruppe. Die Automobilhersteller befürchten, dass die Beteiligung in die falschen Hände geraten könnte. Sie drohen daher mit der Gründung einer eigenen Rennserie ab dem Jahr 2008.
Die Drohung der Automobilhersteller ist auch Ursache dafür, dass der Wert der Formel 1 zurzeit nicht zuverlässig einzuschätzen ist. Die Bayerische Landesbank hat der KirchGruppe rund eine Milliarde Euro für den Einstieg geliehen. Auch Lehman Brothers und JP Morgan zählen zu den Gläubigern.
Unterdessen war aus Branchenkreisen zu erfahren, dass die Investmentbank UBS Warburg voraussichtlich mit der Suche nach neuen Investoren für die übrigen Teile der KirchGruppe beauftragt wird. UBS Warburg sei der klare Favorit, der Auftrag aber noch nicht formell erteilt, hieß am Donnerstag. Die Investmentbanker sollen dem neuen KirchMedia-Management, das sich um die Fortführung der Geschäfte des Filmproduzenten und Rechtehändlers bemüht, vor allem bei der Suche nach Investoren aus dem Ausland helfen.
Die Entscheidung für UBS Warburg werde voraussichtlich am Freitag nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses fallen, hieß es in den Branchenkreisen weiter. Für das attraktive Mandat hätten sich auch Goldman Sachs, J.P. Morgan und Lazard beworben.
Van Betteray strebt bei der Suche nach Investoren weiter den Verkauf des Kerngeschäfts mit Produktion, Rechtehandel und der Mehrheit an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 im Paket an. "Für Randaktivitäten kann es aber auch Einzellösungen geben", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Für Ausverkaufstimmung gibt es keinen Grund", fügte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé hinzu. Das Interesse sei groß.
Als Interessenten gelten weiterhin der australische Unternehmer Rupert Murdoch und der italienische Konzern Mediaset des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, mit denen Gespräche über einen Einstieg vor gut drei Wochen gescheitert waren. Der Springer-Verlag hat Unternehmenskreisen zufolge ein Interesse an einer strategischen Beteiligung von mindestens 25 Prozent an KirchMedia, lieber aber an ProSiebenSat.1. Die Investmentbanker sollen aber auch andere Optionen ausloten.