Kirch-Pleite: Tristesse in Unterföhring - DER SPIEGEL
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Kirch-Pleite Tristesse in Unterföhring

Am S-Bahnhof von Unterföhring wirbt der KirchGruppe-Sender ProSieben für seine Comedy-Shows am Montag. Den Mitarbeitern der bankrotten KirchGruppe ist allerdings weniger nach Klamauk zumute.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unterföhring/Ismaning - In Unterföhring bei München ist die gedrückte Stimmung spürbar. Nur reden mag darüber niemand - oder besser: Es darf niemand. "Wir haben Redeverbot", sagt eine Angestellte. Der eine oder andere gibt dennoch einen kleinen Kommentar: "Wir versuchen, das Ganze ironisch zu sehen", meint ein Redakteur aus der ProSieben-Sportredaktion. "Wir beim Sport haben noch Glück: Wir sind alle nicht verheiratet und damit unabhängig", sagt der Mann.

Der Nachbargemeinde Ismaning, in der die KirchMedia ihren Hauptsitz hat, drohen nach der größten Firmenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte massive Mindereinnahmen. "Wir rechnen mit Gewerbesteuerausfällen in Millionenhöhe", sagt Bürgermeister Michael Sedlmair (Freie Wähler).

Rund 5500 Mitarbeiter sind bei der KirchMedia beschäftigt, knapp 10.000 sind es in der gesamten KirchGruppe. Zahlreiche Bewerbungen von Angestellten sollen in den vergangenen Wochen bei Konkurrenz-Sendern und Zeitungen eingegangen sein. Am Montag kamen die Mitbewerber dann persönlich nach Unterföhring: Fernsehteams positionierten sich schon am frühen Morgen vor dem Haupteingang von ProSieben, streckten den Kirch-Angestellten ihre Mikrofone ins Gesicht und stellten die immer gleiche Frage: "Wie geht es weiter?" - und bekamen die fast immer gleiche Antwort: "Kein Kommentar."

Hinter den mächtigen Gebäuden der KirchGruppe liegen die Bauarbeiten brach. Hier sollte die neue Firmenzentrale entstehen. Die Arbeiten wurden aber eingestellt. "Offizieller Grund sind Probleme mit dem Grundwasser", sagt Bürgermeister Sedlmair. "Es liegt auf der Hand, was wirklich dahinter steckt."

Anders ist das Bild am S-Bahnhof von Unterföhring: Ein Plakat im Rot des ProSieben-Logos empfängt die Fahrgäste: "Willkommen in Hollywood" steht mit weißen Lettern darauf geschrieben. Und auch am Bahnsteig stehen zahlreiche Werbebanner. "Nieder mit dem grauen Montag", wirbt ProSieben für drei Comedy-Sendungen am Wochenanfang. Ein wartender Fahrgast schüttelt den Kopf: "Comedy? Das werden sie heute Abend gut gebrauchen können."