Kirch-Rettung Schlechte Zeiten für Premiere
München - Die Anteilseigner der KirchGruppe seinen bereit, sich an der beabsichtigten Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro zu beteiligen, heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Insolvenzverwalter Michael Jaffé und der neu eingesetzte KirchMedia-Geschäftsführer, Wolfgang van Betteray, bereits per Brief erhalten.
Der Plan sei von den Aktionären Fininvest und Mediaset SpA des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Rupert Murdochs News Corp., dem saudischen Prinz Bin Talal Alwaleed sowie von Rewe und dem Investitionsfonds Capital Research gefasst worden, berichtet die "SZ". Kirchs Sohn Thomas, der noch sechs Prozent an KirchMedia hält, sei an diesen Überlegungen nicht beteiligt gewesen.
Die wichtigste Bedingung für die Kapitalspritze soll der Zeitung zufolge die Trennung von der defizitären KirchPayTV sein, die Premiere World betreibt. Insbesondere die Verträge mit den Hollywood-Studios müssten neu verhandelt werden, um eine klare Trennung der Rechte für Free- und Pay-TV zu erreichen. Derzeit, so der Bericht, bezahle KirchPayTV nichts an KirchMedia für die Ausstrahlung von Filmen über Premiere.
Eine weitere Bedingung ist laut "SZ", die vollständige Transparenz des Kirch-Konzerns. Eine umfassende Überprüfung der Bücher solle umgehend eingeleitet werden und der Hauptversammlung im Juni vorliegen.
Berlusconis Fininvest strebe bei Kirch keine Führungsrolle, sondern lediglich ein Finanzbeteiligung an. Durch die Kapitalerhöhung würde sich der Anteil von Fininvest und Mediaset von rund 5 auf 15 bis 20 Prozent erhöhen. Auch Murdoch wolle sich nicht in den Vordergrund stellen und setze im Fall einer Sanierung auf ein deutsches Management. Alle Anteilseigner gehen der "SZ" zufolge davon aus, dass der Axel Springer Verlag bei Kirch einsteigt.
Bewegung in die zuvor festgefahrenen Verhandlungen zwischen Gläubigerbanken und Anteilseignern sei durch den Massekredit über 100 Millionen Euro gekommen, den die Banken Kirch nach der Insolvenz gewährt hatten. Dadurch habe sich die Lage aus Sicht der Aktionäre entspannt.