Kirch-Übernahme WAZ-Gruppe verzichtet
Essen - Das WAZ-Management sprach sich am Montagabend gegen eine Beteiligung an der insolventen KirchMedia aus. Nach Prüfung aller Chancen und Risiken habe die Geschäftsführung den Eigentümern einstimmig von einer Beteiligung abgeraten, sagte ein WAZ-Sprecher am Montagabend.
Der Beschluss der Geschäftsführung beruhe auf der Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Daten und Konstellationen bei KirchMedia, teilte der Medienkonzern weiter mit. "Verbreitete Spekulationen über ein Kaufangebot der WAZ-Mediengruppe, Commerzbank und anderer für KirchMedia sind falsch", erklärten die vier Geschäftsführer der Gruppe. Man habe immer betont, dass ein Engagement geprüft werde, aber Entscheidungen nicht gefallen seien.
In den vergangenen Tagen schien sich ein Bieter-Wettkampf um die Überreste des einstigen Kirch-Imperiums unter anderem zwischen den Verlagsriesen WAZ, Bauer und Springer abzuzeichnen. Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter sagte am Montag: "Wir sind in Gesprächen mit Springer über die Gründung eines Konsortiums." Nähere Informationen seien im Laufe der Woche zu erwarten. Laut Presseberichten hatte das Konsortium aus WAZ, Commerzbank und dem Filmstudio Columbia-Tristar bereits knapp zwei Milliarden Euro für KirchMedia geboten. Auch nach der Absage der WAZ-Gruppe will die Commerzbank ein Konsortium zur Übernahme der KirchMedia bilden. "Wir bedauern die Absage der WAZ, werden das Projekt aber auch ohne sie weiter verfolgen", sagte Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann.
Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der KirchGruppe interessierte sich die WAZ-Gruppe zunächst für eine Übernahme der 40-Prozent-Beteiligung Kirchs am Springer-Verlag. Verlegerwitwe Friede Springer lehnte einen Einstieg des Konkurrenten aber kategorisch ab.
Am Montag hatte das Amtsgericht München außerdem das Insolvenzverfahrens KirchMedia eröffnet und damit einen Verkauf des zahlungsunfähigen Film- und Fernsehkonzerns formell ermöglicht.
Nach Angaben aus Branchenkreisen haben insgesamt 82 potenzielle Investoren bisher Interesse an KirchMedia oder Teilen des Unternehmens geäußert, darunter alle großen internationalen Medienkonzerne und einige Finanzinvestoren.
Eine erste Gläubigerversammlung, die über die Zukunft von KirchMedia entscheidet, hat das Amtsgericht für den 1. August einberufen. Die Geschäftsführung muss dann einen Bericht über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die Sanierungschancen abliefern, der Sachverwalter eine Stellungnahme. Ein weiterer Termin ist für den 24. Oktober anberaumt. Dann sollen die Ansprüche der einzelnen Gläubiger gegenüber KirchMedia erörtert und festgestellt werden.