KirchGruppe: Auch Premiere steht zur Disposition - DER SPIEGEL
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KirchGruppe Auch Premiere steht zur Disposition

Die finanziell in Bedrängnis geratene KirchGruppe ist inzwischen bereit, ihr gesamtes Tafelsilber zu verscherbeln. Neben der Formel-1-Beteiligung würde Kirch auch die Kontrolle über sein Lieblingskind Premiere World an einen Investor abtreten.
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London - Dieter Hahn, der Geschäftsführer der KirchGruppe, sagte am Montag in London: "Wir glauben an die Zukunft des (Premiere-) Geschäfts. Wir wollen davon so viel wie möglich behalten, einschließlich der Kontrolle. Sollten wir einen attraktiven Partner finden, der die Kontrolle wünscht, so wäre das nicht unmöglich."

Hahn sagte auf der "FT New Media and Broadcasting"-Konferenz weiter, Kirch suche allerdings keine neuen Anteilseigner für seine in der ProSiebenSat.1 Media AG gebündelten Free-TV-Aktivitäten. Die Gruppe verhandele mit möglichen Partnern über die Formel-1-Übertragungsrechte.

"Wir würden unsere Formel-1-Rechte gerne behalten und einen Partner finden. Aber am Ende müssen wir womöglich doch verkaufen", sagte Hahn. Laut Max Mosley, Präsident des Automobil-Weltverbandes (FIA), werde es einen Rückkauf der Formel-1-Rechte durch Promoter Bernie Ecclestone allerdings nicht geben. Bis zum Jahr 2007 darf sich laut dem so genannten Concorde Agreement am Format der Formel 1 nichts ändern.

Die Kirch-Gruppe hatte im vergangenen Jahr mehr als 60 Prozent der Anteile an der Rennsportserie für umgerechnet 1,6 Milliarden Euro erworben. Formel-1-Zampano Eccelstone, der momentan mit 23 Prozent an der von ihm eingerichteten Dachgesellschaft Slec beteiligt ist, soll angeblich Interesse an einem Rückkauf für 800 Millionen Euro gezeigt haben.

Unterdessen hat der australische Medienkonzern News Corp sein Desinteresse an Kirchs Pay-TV-Kanal Premiere bekräftigt. "Wir möchten unser Geld wieder haben", sagte Peter Chernin, Präsident und COO von News Corp, am Montag. "Premiere hat für uns keinerlei Anziehungskraft", erklärte er weiter.

Italienischer Investor in Sicht

Stattdessen interessiert sich die Banca die Roma angeblich für Kirchs Medienflohmarkt. Zeitungsberichten zufolge plant das italienische Finanzinstitut, der KirchGruppe einen Teil ihrer Beteiligung am spanischen Sender Telecinco abzukaufen. Wie die römische Zeitung "La Repubblica" am Montag berichtete, könnte sich damit der italienische Medienkonzern Mediaset gemeinsam mit der Bank die Mehrheit an Telecinco sichern. Die Banca di Roma wolle demnach ein oder zwei Prozent des Anteils kaufen. Mediaset habe sich entschlossen, seinen derzeitigen Telecinco-Anteil von 40 Prozent auf den in Spanien zulässigen Höchstanteil von 49 Prozent zu steigern.

Obwohl die Banca di Roma ihr Interesse an dem Sender als reines Finanzinvestment verstehe, habe Mediaset damit gute Aussichten auf eine absolute Mehrheit bei Telecinco, so "Repubblica" unter Berufung auf Kreise des Medienkonzerns, der dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehört. Mediaset stehe seit etwa einem Monat mit dem Bankinstitut in Verhandlungen. Mit einer Einigung werde innerhalb der nächsten fünf Wochen gerechnet.

Für ihren 25-prozentigen Anteil an Telecinco wollte die KirchGruppe früheren Medienberichten zufolge gut 500 Millionen Euro verlangen. Die Gespräche über den Verkauf der Anteile dauern bereits seit einigen Monaten an. Ein Vertrag mit den Haupteignern des Senders soll bereits bis auf wenige Details unterschriftsreif sein. Durch die Einnahmen könnte die KirchGruppe zumindest einen Teil ihrer Schulden in Höhe von 6,5 Milliarden Euro begleichen.