KirchGruppe Überlebenswichtiger Börsenplan gestoppt?
München - Die Vorbereitungen für die Verschmelzung des Filmrechte-Unternehmens KirchMedia mit der bereits börsenotierten ProSiebenSat.1 Media liegen angeblich auf Eis, seitdem zwischen dem Axel Springer Verlag und der KirchGruppe offener Streit ausgebrochen ist.
Die KirchMedia sollte bis zum Juni mit Kirchs TV-Sendern verschmolzen und so indirekt an die Börse gebracht werden. So wäre einer der größten gelisteten Medienkonzerne Europas entstanden. Kirchs Vize Dieter Hahn hatte angekündigt, man strebe eine Aufnahme in den Dax an. Analysten spekulierten, Kirch und Hahn wollten die Börsennotierung langfristig zur Liquiditätsbeschaffung für ihr hoch verschuldetes Imperium nutzen. Zunächst aber war für den beim Börsengang keine Kapitalerhöhung geplant.
Trotzdem dürften sich Kirchs Finanzsorgen noch einmal verschlimmern, wenn der Börsengang platzt oder verschoben wird: Minderheitseigner der KirchMedia, denen der Münchner Unternehmer einen raschen Börsengang zugesagt hat, könnten ihren Einsatz zurückfordern. Solche Geldforderungen sind das Letzte, was Kirch derzeit braucht. Immerhin wird seine Verschuldung auf sechs Milliarden Euro geschätzt.
Weil der Springer-Verlag 11,5 Prozent an ProSiebenSat.1 hält, könnte er die Fusion durch eine Anfechtungsklage blockieren. Springer will diesen Anteil eigentlich für 767 Millionen Euro an Kirch zurückverkaufen. Kirch, der diese Summe innerhalb der Frist von drei Monaten vermutlich nicht aufbringen könnte, hatte daraufhin eine Feststellungsklage eingereicht. Sie soll beweisen, dass Springers Verkaufsoption, die Kirch zur Rücknahme der Anteile zwingen solle, unwirksam ist.
Der Springer-Verlag hat aber nach eigenen Aussagen kein Interesse an einem Konfrontationskurs und will die Fusion nicht zu Fall bringen. Auch Kirch-Sprecher Hartmut Schulz dementierte, dass die Börsenpläne von KirchMedia gefährdet seien. Das Unternehmen werde voraussichtlich im Juni an der Börse notiert, sagte er. Zeitungen hatten aber bereits in der vergangenen Woche berichtet, die Vorbereitungen für den Börsengang seien schon vor dem Streit mit Springer ins Stocken geraten. Der Zeitplan werde wahrscheinlich nicht einzuhalten sein, hieß es in diesen Berichten unter Berufung auf Kirch-Kreise, die Planungen kämen nicht voran.
Kirchs Senderfamilie hat im vergangenen Jahr Marktanteile verloren und angekündigt, der Jahresüberschuss 2001 werde vermutlich um 45 Prozent niedriger ausfallen als im Jahr 2000.