KirchMedia Z-Movies im Schlussverkauf
München - Das Prozedere ist vergleichbar mit dem Verkauf eines Ferrari F50, Supersportwagens, der nur an handverlesene Liebhaber verteilt wird. Mit insgesamt 60 möglichen Investoren, darunter 20 ernsthafte Interessenten, nahm UBS Warburg Kontakt auf. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit bekamen sie ein 40-seitiges Dossier ausgehändigt, das das riskante Engagement bei dem angeschlagenen Stammhaus der KirchGruppe so attraktiv wie möglich erscheinen lassen soll.
Der Auftrag kam von den neuen KichMedia-Geschäftsführern Wolfgang van Betteray und Heinz-Joachim Ziems. Sie wollen nach Möglichkeit eine Zerschlagung des Film- und Sportrechtehändlers verhindern und KirchMedia inklusive der Mehrheit an der profitablen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media verkaufen.
Doch so einfach scheint die Sache nicht zu sein. Seit Wochen ringen die designierten Insolvenzverwalter um eine Lösung für den angeschlagenen Filmrechte-Händler. Doch schon allein wegen der Undurchsichtigkeit des Firmengeflechts gilt die KirchGruppe als heißes Eisen. Mit dem Warburg-Dossier, so hoffen die Beteiligten, wird jetzt alles anders.
Das wichtigste Lockargument: Die Insolvenz erlaubt dem amtierenden Management der Pleitefirma, die Verträge zu lösen, die KirchMedia bislang nur Verluste einbrachten. "Die Beendigung solcher unvorteilhafter Verträge wird eine substanzielle Neuordnung ermöglichen", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" die Autoren des Papiers. Welche Verträge konkret damit gemeint sind, geht daraus aber offenbar nicht hervor. Jedenfalls, so versichern die UBS-Spezialisten, sollen die Verpflichtungen aus den unzähligen In-Sich-Geschäften der KirchMedia mit den einzelnen Tochtergesellschaften bei der zahlungsunfähigen KirchMedia verbleiben, wenn die Neugründung der Auffanggesellschaft NewCo zu Stande kommen sollte.
Auch der Zoff mit einigen Geschäftspartnern, der in den vergangen Wochen offen ausgetragen wurde, liefert einige Hinweise. Dazu zählt zum Beispiel die Diskussion um die Übertragung der Top-Spiele der Fußball-WM mit ARD und ZDF. Die neuen KirchMedia-Chefs hatten die Sender beschieden, dass der Insolvenzverwalter im laufenden Verfahren das Recht habe, unerfüllte Verträge zu kündigen. Als solchen sehe KirchMedia die Vereinbarung mit ARD und ZDF über die Übertragung der gerade laufenden Fußball-WM in Japan und Korea an, da noch eine Rate in Höhe von 50 Millionen Euro ausstehe. Deren Bezahlung war allerdings an eine Einigung über die Rechte an der WM 2006 gekoppelt.
Ein weiteres Beispiel liefert das Geschacher um den Preis für die Rechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten beiden Spielzeiten, die KirchMedia jüngst neu eröffnet hat, obwohl die Verträge bereits abgeschlossen waren. Ursprünglich hatte KirchMedia die Rechte an der kommenden und der Saison 2003/2004 für insgesamt 820 Millionen Euro erworben. Sie kann diese Preise, die allgemein als überhöht gelten, aber nicht mehr bezahlen. Dem Ligaverband DFL zufolge bietet KirchMedia nun zwischen 290 und 310 Millionen Euro pro Saison.
Mit den Geschäftszahlen tun sich die Autoren des Verkaufsprospekts ein wenig schwerer. Denn auf Grund der vielen In-Sich-Geschäfte lassen sich seriöse Umsatzzahlen nur unter erschwerten Bedingungen ermitteln - und dafür fehlte offenbar die Zeit. Immerhin soll der Gesamtumsatz knapp 3,398 Milliarden Euro betragen, davon entfallen rund 645 Millionen Euro auf den Sportrechte-Handel (Eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 263 Millionen Euro), schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Bezugnahme auf das Papier. Welchen Anteil daran die zur Kirch gehörende Senderfamilie ProSiebenSat.1 beigesteuert hat, lasse der Prospekt offen. Auch der Anteil der Konzernschwester KirchPayTV könne nur geschätzt werden. Die Analysten der WestLB Panmure gingen von 600 Millionen Euro aus.
Die Analyse des Filmpakets, dass bisher immer als Schatzkammer der KirchGruppe gepriesen wurde, kommt dagegen eher einem Offenbarungseid gleich. Die Expertise gibt offenbar jenen Kritikern recht, die die Filmbibliothek des Medienmoguls schon immer für ein wertloses Ramschlager hielten. Lediglich 122 der 9801 Filme gelten nach den Informationen des Münchner Blattes als Megaseller, darunter "Der Patriot" mit Superstar Mel Gibson, 213 Filme, etwa "Comedian Harmonists", zählten zur Kategorie "Mega 2".
52 Prozent der Filme würden dagegen als B- oder gar C-Movies eingestuft und seien entsprechend schwer zu vermarkten. Für 19 Prozent der Filme haben die Experten dagegen eine ganz neue Kategorie kreiert, die die Verkäuflichkeit recht plastisch dokumentiert: Z-Movie - Erlöserwartungen gleich null.