Kita-Streit: Tarifverhandlungen erneut abgebrochen - DER SPIEGEL
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Kita-Streit Tarifverhandlungen erneut abgebrochen

Zehntausende Eltern müssen mit neuen Streiks rechnen: Die Gespräche für die Kita-Beschäftigten sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Arbeitgeber hätten die "Verhandlungsgrundlage verlassen", schimpft Ver.di - und droht mit weiteren Arbeitsniederlegungen.
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Berlin - Mehr Geld, besserer Gesundheitsschutz und neue Lohnklassen: Dafür kämpfen rund 220.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter an kommunalen Kindertagesstätten seit Wochen - doch am Freitag wurden die Verhandlungen erneut ergebnislos abgebrochen. Die Ver.di-Bundestarifkommission habe sich einstimmig gegen gegen die Offerte der Arbeitgeber ausgesprochen, sagte Ver.di-Chef Frank Bsirske. Sie hätten "heute die Verhandlungsgrundlage verlassen".

Kita-Streik: Kein neuer Verhandlungstermin.

Kita-Streik: Kein neuer Verhandlungstermin.

Foto: Z1003 Jens Büttner/ dpa

Bsirske kritisierte, bei den Arbeitgebern habe es keinerlei Bereitschaft für eine höhere Anerkennung und Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe gegeben. Die tage- und nächtelangen Verhandlungen hätten bei der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lediglich in einem von rund 50 Tätigkeitsfeldern ein Teilangebot hervorgebracht. Die Verhandlungen zu einem Gesundheitsförderungstarifvertrag seien in der Substanz keinen Schritt vorangekommen, kritisierte die Gewerkschaft. Ver.di wolle einen individuellen Anspruch der Beschäftigten auf eine Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes durchsetzen. "Die Arbeitgeber wollen sich von der Steinzeit ins Mittelalter bewegen. Aber wir brauchen Regelungen für die Neuzeit", sagte Bsirske.

Ver.di droht mit neuen Streiks

Der Gewerkschaftschef drohte den Arbeitgebern mit neuen Streiks. Bereits am Montag werde es voraussichtlich zu Arbeitsniederlegungen in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt kommen.

Knackpunkt in den Verhandlungen ist ein besserer Gesundheitsschutz für die Beschäftigten. Dieser habe aber nur von der wirtschaftlichen Lage abhängige Kann-Bestimmungen enthalten, erklärte die Arbeitnehmerseite. Daneben verlangt Ver.di gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) neue Entgeltstufen und deutlich mehr Geld für die Kita-Beschäftigten.

Die kommunalen Arbeitgeber hatten den Erzieherinnen und Sozialarbeitern einer Erhöhung um durchschnittlich über elf Prozent geboten. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) teilte mit, bis zu 340 Euro oder 13,75 Prozent könnten Erzieherinnen und Erzieher künftig monatlich mehr verdienen, wenn die Gewerkschaften auf das Angebot der kommunalen Arbeitgeber eingingen. Das Angebot solle eine rasche Einigung ermöglichen.

Ab nächster Woche sei man wieder gesprächsbereit, sagte VKA-Präsident Thomas Böhle. Bsirske sagte, dies betreffe nur 20 Prozent der Erzieherinnen. Dabei würden Ledige ein Plus von 0,3 Prozent erreichen, während Verheiratete ein Minus von 3,6 Prozent erleiden würden - gegenüber dem Stand von 1990. 80 Prozent der Betroffenen gingen leer aus beziehungsweise hätten Verluste von mehr als 1.000 Euro im Jahr.

Doch offenbar hat das Angebot die Arbeitnehmerseite nicht überzeugt. Auch einen neuen Verhandlungstermin gebe es nicht, sagte Bsirske. Dabei wächst der Druck auf die Tarifpartner, sich endlich zu einigen. Denn seit Beginn der Verhandlungen streiken die Beschäftigten zahlreicher Kitas abwechselnd im ganzen Land - und das nun schon seit sechs Wochen. Tausende Eltern verlangen nun endlich ein Ergebnis.

yes/sam/dpa/ddp/AP