Klappe fällt - DER SPIEGEL
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Geldanlagen Klappe fällt

Weil »nicht mehr so leicht an das Geld anderer Leute zu kommen ist«, dachten sich ein bekannter Filmregisseur und ein unbekannter Finanzmakler einen neuen Typ von Abschreibungsgesellschaft aus.
• aus DER SPIEGEL 20/1974
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Altstar Curd Jürgens stopfte den noch druckfrischen Prospekt in die Jackentasche und stapfte zu seinem Wagen.

Auch die anderen Gäste, die sich Anfang Mai auf dem Landsitz des Filmproduzenten Horst Wendlanth Gut Rothsee versammelt hatten, griffen zu. Keiner wollte ohne das »Steuerbegünstigte Zeichnungsangebot über 2750 000 Mark für die Verfilmung des Restsellers »Das TALL-Komplott' von Will Tremper« nach Hause gehen. Die Prominenten-Soirée war die Premiere für eine neue Spielart des anrüchigen Geschäfts mit der Steuerabschreibung. Die Financiers der Nation, gutverdienende Freiberufler, sollen steuersparend zu Filmproduzenten aufsteigen.

Sogar Kulturelles wird diesmal nicht zu kurz kommen: »Dagegen verblassen alle läppischen Versuche des Staates, dem Film zu helfen«, rühmt Altfilmer Will« Tremper, 45, den Geniestreich seines« Partners Philipp Kreuzer, 24, der nach knapp zwei Jahren Lehrzeit in der Abschreibungsbranche neben repräsentativem Wohnsitz und nagelneuer Mercedes-Limousine auch noch eine Anlageberatungsfirma mit 60 Verkäufern und Sitz in Luxemburg vorweist.

Auf den Tremper kam Kreuzer, als ihm klarwurde, daß mit Abschreibungsimmobilien »heute nicht mehr so leicht an das Geld anderer Leute zu kommen ist wie früher«. Beim Filmemachen soll es anders werden: »Da leben die Leute mit, identifizieren sich«.

Mit der Hauptfigur in Trempers 1973 erschienenem Schlüsselroman »Das TALL-Komplott« konnte sich der Herr im Hause Krupp, Berthold Beitz, identifizieren. Und weil der Beitz-Verschnitt endlich auch als Filmheld auftreten soll, war Tremper von der Kreuzer-Idee angetan: »Niemand sonst in Deutschland hätte mir zwei Millionen Mark für den Film beschaffen können.«

In der Tat haben Filmprojekte bei Banken und anderen Geldgebern kaum Kredit: Die Gläubiger können sich nicht an nennenswerte Sicherheiten wie Grundstücke oder Anlagen halten. Laurens Straub vom Münchner Filmverlag der Autoren: »Produktionen sind eine außerordentlich unsichere Investition, die meisten bleiben unvollendet.« Auch von Kreuzers Klienten wird viel Mut zum finanziellen Risiko verlangt.

An diesen kühnen Geldanlegern fehlt es offenbar nicht: In zwei Wochen machten Kreuzers Verkäufer -- so die Behauptung des Finanz-Twens -- schon rund ein Dutzend Anleger zu Filmproduzenten und kassierten fürs erste 900 000 Mark.

Auf Drehbeginn« steuersparende Verlustzuweisung und Tantiemen muß die Produzentenkommune freilich noch warten, vielleicht sogar ewig. Denn Tremper und Kompagnon lancierten ihren Neubeginn »für den guten deutschen Film, der kaputt ist, nur weil es an Geld fehlt« (Kreuzer), ohne viel Vorbereitung. So blieb bislang ungeklärt, ob das Finanzamt die geplante Verlustzuweisung tatsächlich anerkennt und wer die Fremdfinanzierung von einer Million Mark übernimmt.

Von den großen Plänen des Altfilmers ("wir müssen auf den Weltmarkt") und davon, wie im Erfolgsfall die Einspielergebnisse auf Kommanditisten, Verleih und Kreditgeber aufgeteilt werden sollen, lesen die Anleger im Prospekt nur wenig. Fest steht dagegen, wer am TALL-Komplott in jedem Fall verdient: Kreuzer und die Seinen.

Bevor die erste Klappe fällt, streicht die Vertriebsgesellschaft für Nebenkosten und Eigenleistungen 635 000 Mark ein. Daneben zahlen Kreuzer-Kunden noch ein Aufgeld von fünf Prozent ihrer Einlage auf die Konten des Jungunternehmers. Und mit 3,5 Prozent ist auch noch eine Treuhandgesellschaft dabei. So bleiben für den Film von 2,75 nur 2,1 Millionen.

Aber auch dafür hoffen die Plänemacher, sich ein ansehnliches Team zusammenkaufen zu können. Nur mit einem internationalen Star hapert es noch: Zunächst hatte Henry Fonda eine Nebenrolle übernehmen sollen.

Weil der frühere Westernheld aber erkrankte, wird ein neuer Star gesucht. Tremper zuversichtlich: »Der Orson springt hoch, wenn ich ihm für zwei Tage 20 000 Dollar biete.« Die Rede war von Orson Welles.

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