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BANKEN Klare Vorgaben

Konfusion im deutschen Geldgewerbe: Nach dem Platzen der Megafusion ist die Deutsche Bank angeschlagen - der Dresdner aber droht die Zerschlagung.
• aus DER SPIEGEL 16/2000
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Eine Woche nach dem großen Knall präsentierte sich Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer ganz entspannt. Am vergangenen Mittwoch erläuterte er live auf CNN, warum die geplante Megafusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank gescheitert war - und er noch immer im Amt ist.

Natürlich sei er persönlich enttäuscht, sagte er da: »Ich habe mein Herz in diesen Deal gelegt.« Aber sein Rücktritt wäre keine Lösung gewesen.

Nur einen Tag zuvor hatte sich der Chef des Aufsichtsrats, Hilmar Kopper, in einem Brief an die Mitarbeiter hinter Breuer gestellt. Er hatte ihn, allen Gerüchten zum Trotz, auch in den Tagen zuvor nicht dazu gedrängt, dem Beispiel des Dresdner-Bank-Vorsitzenden Bernhard Walter zu folgen und sein Amt zur Verfügung zu stellen.

Breuer war von Anfang an entschlossen zu bleiben. Am 6. April, am Tag nach dem Platzen der Fusion, erläuterte er den internationalen Finanzanalysten seine Strategie. »Global agieren wir dort, wo die Märkte global organisiert sind«, sagte der Vorstandssprecher. Ertragssteigerungen von über 50 Prozent im ersten Quartal 2000 belegten die großen Chancen im Investmentbanking.

»Im Gegensatz zur Dresdner Bank hat die Deutsche Bank eine glaubhafte Strategie«, sagt Derek Chambers, Bankanalyst vom britischen Finanzhaus HSBC. Er und seine Kollegen sehen in der Pleite bei den Verhandlungen mit der Dresdner Bank viele Vorteile: Der happige Vermögenstransfer in Richtung München entfällt, mit dem Breuer die Zustimmung der Allianz erkauft hatte.

Die meisten Analysten - von ABN Amro über Helaba, Merck Finck & Co bis zur WestLB - stuften die Aktie nach oben. Der Kurs ging im Gefolge der Pleite hoch.

Die Dresdner Bank steht dagegen vor nahezu unlösbaren Problemen. »Erwarten Sie nicht von mir, dass ich Ihnen jetzt bereits meine Strategie erläutere«, beschied ihr neuer Vorstandssprecher Bernd Fahrholz die Analysten.

Ausgerechnet das Investmentbanking der Dresdner Kleinwort Benson, dessen 7500 Mitarbeiter 1999 fast zwei Milliarden Mark Gewinn erzielten - und dessen unsichere Zukunft zum Scheitern der Fusion führte -, zeigt Auflösungserscheinungen. Anfang der Woche fand im Berliner Hotel Adlon ein Seminar statt, zu dem die Dresdner Bank über 50 Zentralbanker geladen hatte, mit denen die Bank Milliardengeschäfte abwickelt. Das gesamte Team, das diese hoch profitablen Geschäfte tätigt und den Kongress organisiert hat, arbeitet seit ein paar Tagen bei der Deutschen Bank.

Ein weiteres Team, das das Anleihegeschäft abwickelt, kommt der Bank ebenfalls abhanden. Viele Investmentbanker kündigen trotz des mittlerweile zweiten Sonderbonus, der sie zum Bleiben bewegen soll, andere warten nur den 15. April ab, um das Urlaubsgeld mitzunehmen.

Um zu retten, was zu retten ist, wird das Investmentbanking nun in eine eigenständige Einheit ausgegliedert, die über eigene Informationstechnologie, Kreditmöglichkeiten und Bankdienstleistungen verfügt. Da eine komplette Ausgliederung an rechtlichen Bedenken scheitert, sollen die Mitarbeiter mit Phantomaktien und -optionen direkt am Erfolg ihres Bereichs teilhaben können.

Mit der Ausgliederung des Investmentbanking wird ein wichtiger Stolperstein, der bisher eine Fusion sowohl mit der Deutschen wie mit der HypoVereinsbank scheitern ließ, beseitigt. Allerdings wird es nun auch einfacher, die Dresdner Bank in ihre einzelnen Stücke zu zerlegen. Dem Vorstandsmitglied Leonhard Fischer, der das Investmentbanking fortan leiten soll, werden glänzende Kontakte zu amerikanischen Investmentbanken nachgesagt. »Der kann uns dann wenigstens mitnehmen«, scherzt einer seiner Mitarbeiter.

Am vergangenen Montag reiste Fahrholz nach München zum Großaktionär Allianz, um seine Pläne vorzustellen. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle hatte schon vergangene Woche klargemacht, dass er für den Abbruch der Verhandlungen zwischen den Geldhäusern kein Verständnis hat.

»Die Dresdner Bank hat alle Hände voll zu tun, sich strategisch neu auszurichten«, meint Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner. Damit keine Missverständnisse auftauchen, bekommt die neue Führung schon einmal klare Vorgaben aus München: Die Dresdner sei eine Universalbank, die neben dem Privatkundengeschäft »eine Reihe von Aktivitäten wie dem Investmentbanking hat, an denen wir keinerlei strategisches Interesse haben«, sagt Achleitner ganz offen. Das ist die Einladung auch an ausländische Finanzhäuser, sich um die drittgrößte deutsche Bank zu bewerben. Eine Zerschlagung wäre die wahrscheinliche Folge.

Die Deutsche Bank 24 dagegen, an der sich der Versicherungskonzern im Zuge der Fusion beteiligen wollte, hält der Finanzvorstand der Allianz »für die modernste Privatbank in Deutschland«.

Es sieht so aus, als würden Deutsche Bank und Allianz ohne den Stolperstein Dresdner Bank noch einmal miteinander ins Geschäft kommen. CHRISTOPH PAULY

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