Klassen-Kampf
In Paris tobt ein heftiger Klassenkampf. Er spielt sich ausnahmsweise nicht auf der politischen Ebene ab, sondern wird tief unter der Erde ausgetragen.
Es begann damit, daß vor mehr als einem Jahr die Stadtväter der Seine-Metropole beschlossen, die andere »Métro«, die Pariser Untergrundbahn, zu demokratisieren. Die 1. Klasse wurde als nicht mehr zeitgemäß empfunden und abgeschafft. Aber die gepolsterten Wagen blieben. Erfolg: sie wurden zu Sardinenbüchsen.
Leute, die nie 1. Klasse gefahren waren, wollten es plötzlich ganz genau wissen und auch einmal auf weichen Sitzen ausruhen. Die Stammgäste der Polsterklasse ließen sich deshalb nicht vertreiben.
Gleichzeitig wurden die Fahrpreise verdoppelt. Die erhoffte Gesundung des »Métro«-Haushalts blieb jedoch aus. Das Defizit der Untergrundbahn ist auf 3,5 Milliarden Franken gestiegen. Was auf den Stirnen der Pariser Stadträte erneut tiefe Sorgenfalten erscheinen ließ.
Einer von ihnen hat nun vorgeschlagen, die I. Klasse wieder einzuführen und ihren Preis bedeutend teurer zu gestalten, Sein Antrag wirkte wie ein Griff ins Wespennest. Man solle sich nicht durch Wiederaufrichtung von Klassenbarrieren reaktionär gebärden, wetterten die Kritiker.
Aber der Stadtrat, dem es um die Verminderung des »Metro«-Defizits geht, fand auch Fürsprecher. Sie meinen, daß im Zuge 'der erhöhten Besteuerung aller Luxusartikel auch die I. Klasse der Pariser »Untergrundbewegung« nicht ausgenommen werden dürfe. Wer weich sitzt, solle eben hart zahlen.