Kleingedrucktes GM will vier weitere Fabriken schließen
New York Es sollten insgesamt 13 Werke in den USA geschlossen werden, steht in der Vereinbarung. Damit stehen vier weitere Werke des Detroiter Konzerns vor dem Aus, wie die "New York Times" unter Berufung auf den Vertragsentwurf berichtet. Ursprünglich hatte das Unternehmen nur neun Werke schließen wollen. Ein Motorenwerk in Livonia in der Nähe von Detroit solle schon bis 2010 seinen Betrieb einstellen. Eine andere Motorenfabrik und zwei Stanzwerke stünden ebenfalls zur Disposition.
In den vier betroffenen Werken arbeiten insgesamt rund 2500 Personen. Viele von ihnen haben aber Anspruch darauf, mit vollen Bezügen in Pension zu gehen. Andere dürfen auf Abfindungen hoffen.
Dennoch haben die Nachrichten von den geplanten zusätzlichen Fabrik-Schließungen Argwohn unter den Beschäftigten ausgelöst. Viele erinnern sich an die Verträge der vergangenen Sanierungsrunden, denen sie zugestimmt hatten, ohne das Kleingedruckte genau zu kennen.
"Sie zeigen Dir nur die Glanzpunkte der Vereinbarung", erklärte Gregg Shotwell, der eine kleine Oppositionsgruppe innerhalb der UAW anführt, der "New York Times". Die schmerzhaften Einschnitte, die dann ein Jahr später wirksam würden, blieben dagegen im Hintergrund. Die geplante Aufgabe der vier Fabriken erstaune ihn nicht, fügte der Gewerkschafter hinzu. "General Motors hat seine Job-Garantien schon oft nicht eingelöst, und die UAW hat ebenso oft nicht nachgezählt".
Knapp 30 Milliarden für Krankenversicherungsfonds
Insgesamt halten die Verantwortlichen der UAW die Vereinbarungen mit General Motors aber für akzeptabel. Sie trage insgesamt zur Absicherung von Arbeitsplätzen bei, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.
Der Zentrale Punkt der Vereinbarung, die GM und die UAW am vergangenen Mittwoch erzielt hatten, bleibt die Einigung über den neuen von der Gewerkschaft zu verwaltenden Krankenversicherungsfonds. Dieser wird von GM von 2010 an die zukünftigen Verpflichtungen für die Krankenversicherungen für rund 340.000 Betriebsrentner und deren Angehörige übernehmen.
GM zahlt 29,9 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) in den Fonds ein und übernimmt darüber hinaus die zwischen 2008 und 2010 anfallenden Kosten von 5,4 Milliarden Dollar. Außerdem sagte GM andere Leistungen und Zahlungen über 20 Jahre von insgesamt bis zu 1,6 Milliarden Dollar zu, falls die Fondsausstattung unzureichend sein sollte.
Darüber hinaus erhalten die GM-Arbeiter über die Laufzeit des Vertrages insgesamt 13.056 Dollar an Zusatzleistungen. Sie bekommen einen Abschlussbonus von 3000 Dollar bei Annahme des Tarifvertrages und in den letzten drei Jahren des Tarifabkommens Boni von drei, vier beziehungsweise drei Prozent des jeweiligen Jahreslohnes. Inflationsbezogene Lebenshaltungskosten-Zuschläge wurden ebenfalls vereinbart. Die Löhne der Arbeiter an den Fließbändern werden von 28,12 auf 28,85 Dollar je Stunde bei Ende des neuen Tarifabkommens steigen.
UAW stimmt zweiteiligem Lohnsystem zu
Die Gewerkschaft stimmte aber auch erstmals einem zweiteiligen Lohnsystem zu. Neu eingestellte Hilfskräfte wie beispielsweise Fahrer, die nicht am Fließband arbeiten, sollen zukünftig nur 14,00 bis 16,23 Dollar je Stunde erhalten. Den momentan zum vollen Lohn in diesen Funktionen eingesetzten 16.000 Bediensteten sollen Abstandsangebote gemacht werden, und sie sollen bei Ausscheiden durch die billigeren neuen Arbeiter ersetzt werden.
GM hat für 16 von 18 amerikanischen Autofabriken Produktionszusagen gemacht und will 3000 Teilzeitarbeiter zum vollen Lohn zu Vollzeitbeschäftigten machen.
Die Gewerkschaft hat damit ihr Hauptziel erreicht, die Löhne und sonstigen Bezüge der sowie die Arbeitsplätze der derzeitigen Mitglieder zu sichern. GM wird durch den neuen Krankenversicherungsfonds und das zweigleisige Lohnsystem nach Schätzungen von US-Autofachleuten drei Milliarden Dollar pro Jahr einsparen.
UAW-Präsident Ron Gettelfinger will in der nächsten Woche festlegen, ob die nächste Tarifverhandlungsrunde zuerst mit Ford oder mit Chrysler geführt werden soll. Die beiden Autohersteller müssen sich ebenfalls noch mit der Gewerkschaft über neue vierjährige Tarifabkommen einigen. Diese dürften sich erfahrungsgemäß eng an die GM-Vereinbarungen anlehnen.
mik/dpa/AP/Reuters