Kleinwagen-Krise Smart-Erfinder schimpft auf Daimler
Zürich/Stuttgart - Bereits vor sieben Wochen habe er sich mit Zetsche getroffen, sagte Hayek der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Dabei hat der Chairman des Schweizer Uhrenherstellers Swatch nach eigenen Angaben kein Blatt vor den Mund genommen. "Das Swatchmobil sollte ein umweltfreundlicher, preisgünstiger Kleinwagen mit Hybridantrieb werden. Nun haben sie eine lächerliche kleine Version von Mercedes daraus gemacht."
Hayek kritisierte die zu hohen Kosten bei Smart. "Mercedes kauft zu teuer ein, produziert zu teuer, und so ist der Preis des Smart viel zu hoch für das untere Preissegment", sagte er. "Wir hatten ursprünglich einen Preis von etwa 7500 Euro vorgesehen." Die Erweiterung der Produktpalette auf den Sportwagen Roadster, der nicht mehr hergestellt wird, und den viersitzigen Forfour mit Mitsubishi Motors hält er für weitere Fehler in der Markenstrategie.
Hayek hat Daimler-Chef Zetsche nach eigenen Worten nahe gelegt, einen mutigen Innovationsschritt zu machen: "Einen Big Bang mit dem Hybridantrieb." Hier würde er mit Ideen, aber ohne finanzielle Beteiligung helfen. Einen Verkauf von Smart hält der Manager derzeit für unwahrscheinlich. "Wenn Mercedes Smart mit den Schulden, all den Fehlentwicklungen und ohne einen Hybridmotor verkaufen will, ist das kein gutes Angebot." Hayek hatte seine Anteile an dem ursprünglichen Gemeinschaftsunternehmen mit Mercedes-Benz vor Jahren verkauft.
DaimlerChrysler hat laut Presseberichten die Investmentbank Goldman Sachs beauftragt, nach möglichen Partnern für Smart zu suchen. Branchenkreisen zufolge sollen tatsächlich auch die Chancen für einen möglichen Verkauf ausgelotet werden. Der italienische Motorradhersteller Piaggio dementierte heute Berichte, er habe Interesse an einer Übernahme.
DaimlerChrysler hatte im April 2005 ein 1,1 Milliarden Euro teures Sanierungsprogramm aufgelegt, um Smart zu retten. Bis 2007 soll die 1998 eingeführte Marke erstmals schwarze Zahlen schreiben.