Klinikproteste in Berlin: "Unser Zorn bleibt" - DER SPIEGEL
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Klinikproteste in Berlin "Unser Zorn bleibt"

Lauter Protest gegen die Finanznot: Zehntausende Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern haben in Berlin mehr Geld für die Krankenhäuser gefordert. Die Kliniken würden "ausgequetscht wie eine Zitrone".
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Berlin - In seinem Operationssaal geht es zu wie in einer Autowerkstatt, sagt Markus Zink. "Rein, rauf, runter, raus", sagt er. Seit Jahren wird im Sankt Barbara Hospital im nordrhein-westfälischen Gladbeck gespart. Die Patienten könne er nicht mehr richtig betreuen, erzählt der Krankenpfleger. Er trägt eine grüne OP-Haube und ein Stoffbanner mit der Aufschrift "Sparschweine der Nation". Um halb vier Uhr morgens ist er losgefahren, jetzt drängt er sich mit Kollegen vor dem Brandenburger Tor.

135.000 Ärzte, Pfleger und Schwestern sind nach Berlin gekommen, um mit Trillerpfeifen und Plakaten für die "Rettung der Krankenhäuser" zu demonstrieren. Doppelt so viele wie von den Veranstaltern erwartet sind in Bussen und Sonderzügen aus ganz Deutschland gekommen - und damit dem Ruf eines Aktionsbündnisses aus neun Verbänden und Gewerkschaften gefolgt.

Auf Transparenten steht "Wir sind auch Menschen, nicht nur Kostenfaktoren" und "S'isch genug geschwätzt". Die Wut ist groß: Seit Jahrzehnten sind die Budgets der 2100 Kliniken in Deutschland nur moderat angestiegen. Doch gleichzeitig müssen sie höhere Gehälter und steigende Energiepreise finanzieren. Viele Demonstranten klagen über Personalnot, über Operationssäle, die nicht modernisiert werden können, über veraltete technische Geräte. Mit Trillerpfeifen unterstützen sie die Redner. Besonders, wenn diese Richtung Bundestag und Kanzleramt weisen.

Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett ein Notpaket für die Kliniken von 3,2 Milliarden Euro für 2009 beschlossen. Der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sieht vor, den Krankenhäusern die jüngsten Tariferhöhungen für Klinikpersonal zur Hälfte zu erstatten. Zudem erhalten sie Geld zu Einstellung von 21.000 zusätzlichen Pflegekräften innerhalb der nächsten drei Jahre.

"Ich frage mich, ob ich weiterarbeiten soll"

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, wies den Rettungsplan als "Mogelpackung" zurück. Bis Ende 2009 fehlten 6,7 Milliarden Euro. Kösters forderte "umfassende Hilfe, keine Almosen". Armin Ehl, der Hauptgeschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, rief den Demonstranten zu: "Unser Zorn bleibt. Der Kampf ist nicht zu Ende."

Angelika Ammann aus dem baden-württembergischen Waldshut ist die ganze Nacht gefahren, um in Berlin zu demonstrieren. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Krankenschwester. "Ich frage mich jeden Tag, ob ich weiterarbeiten soll", sagt sie. In ihrem Spital fehlt Personal - auch wenn Pfleger krank seien, kämen sie immer zu Arbeit. "Und wenn wir krank arbeiten können, können wir auch demonstrieren gehen."

Um Ammann herum ist die Stimmung gelöst, rote Trillerpfeifen werden herumgereicht. Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern tragen weiße oder grüne Kittel und OP-Hauben. An den Ständen gibt es Bier und Würstchen. Die Band "Die toten Ärzte" singt: "Hip, hip, hurra, alles ist prima, alles ist wunderbar." Zwei zusätzliche Videoleinwände haben die Veranstalter zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule aufgebaut, jemand schwenkt eine Deutschlandflagge. Doch darauf steht: "Der Deckel muss weg" - gemeint sind die gedeckelten Budgets der Krankenhäuser.

"Versorgung der Patienten in Gefahr"

Ein Volksfest ist die Kundgebung trotz allem nicht. Wenn es in den kommenden Jahren keine umfassende finanzielle Hilfe gebe, müssten weitere Kliniken schließen, warnt das Aktionsbündnis. Damit sei nicht nur die Versorgung der Patienten, damit seien auch 20.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Städtetagpräsident Christian Ude (SPD) warnt vor einem "Kollaps" der Kliniken, die "ausgequetscht würden wie eine Zitrone".

Viele Demonstranten können daher die Diskussion um effizienteres Management von Krankenhäusern nicht verstehen. "Wir arbeiten schon jetzt an der Belastungsgrenze", sagt Patrick Lemmin, Arzt im Marienkrankenhaus in Berlin. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, hatte am Donnerstag im Deutschlandradio gesagt, Deutschland habe im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu viele Krankenhäuser und zu viele Krankenbetten. Er sprach sich unter anderem für eine stärkere Spezialisierung der Kliniken aus.

Die Demonstranten können das nicht nachvollziehen. Sie fordern vor allem: "Mehr Personal, um für die Menschen da zu sein." Auch Krankenpfleger Markus Zink will sich mehr mit den Patienten beschäftigen. "Aber das ist momentan nicht möglich - außer man will keinen Feierabend haben und 24 Stunden durcharbeiten."

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