FERTIGHÄUSER Knorrige Eiche
Neben farbigen Prospekten wird den Käufern von Fertighäusern immer öfter auch Papier und Bleistift in die Hand gedrückt: Der Bauherr möchte doch bitte den Grundriß selbst skizzieren.
»Das Haus von der Stange«, weiß Dirk W. Meifert, Sprecher des Marktführers Okal, »ist passé.« Kein vorgefertigtes Eigenheim sehe heute mehr wie das andere aus.
Bislang schien vielen privaten Bauherren das Katalog-Haus eher suspekt -jedenfalls kaum vergleichbar einem soliden Stein-auf-Stein-Bau. Nur die kürzere Bauzeit lockte. Und billiger war es auch.
So kamen die rund 50 bundesdeutschen Fertighaus-Hersteller über einen Anteil von knapp zwölf Prozent aller neu gebauten Eigenheime nicht hinaus. Seit 1973 stellten sie im Schnitt jährlich gut 20 000 Häuser auf, das Image aber blieb schlecht.
Das soll sich ändern. »Die Fertighaus-Industrie«, lobt Maxemilian Funk, Geschäftsführer der Zenker Fertigbaus KG, die Branche, »hat erheblich in Qualität und Architektur investiert.« Nicht selten werden dem Bauherren zwei Dutzend Grundriß-Ideen gleich mitgeliefert.
Mit immer neuen Fertigteil-Varianten suchen die Hersteller zudem die Bauwilligen auch optisch zu locken. Die jüngste Idee: das Fachwerkhaus ab Fabrik.
Schon immer bestand das Fertighaus überwiegend aus Holzkonstruktionen. Aber die Hersteller versteckten ihren Baustoff verschämt hinter der Fassade.
»Wir wollen uns jetzt endlich offen zu unserem Werkstoff Holz bekennen«, verspricht Zenkers Funk. Rund 1,6 Millionen Mark Entwicklungskosten steckte die Zenker KG nach eigenen Angaben in ihr Fachwerkhaus.
Inzwischen baut eine Reihe von Anbietern im altdeutschen Stil mit. Die Willco-Fertighaus GmbH in Eystrup an der Weser bietet Fachwerkbauten »in wirklich niedersächsischem Stil« an. Die Hamburger Ingenieur Gesellschaft für Bautechnik hat ihr Niederelbe-Fachwerkhaus aus rotem Klinker und knorriger Eiche Architekten des 18. Jahrhunderts abgeguckt.
Doch nicht alles, was nach Fachwerk aussieht, hat tragende
Balken. Billigbauer wie Dernbacher Nordhaus verzieren die Eigenheime lediglich mit Blendwerk aus Brettern, um Konstruktionsfugen zu verdecken.
Selbst der schöne Schein lockt offenbar: Die Fachwerkverkäufer melden steigende Auftragseingänge. Mit der Originalität stieg freilich auch der Preis. Fast eine Viertelmillion Mark kostet der Fachwerkbau ab Oberkante Keller.
Der Preisvorteil der Fertighäuser gegenüber den Mauerwerken ist vielfach dahin. Im Schnitt kosten vergleichbare Heime in konventioneller Bauweise kaum mehr.
Die Fertighaus-Hersteller setzen auf die Konkurrenz: Ihre Chancen wachsen, wenn im Baugewerbe die Preise wieder kräftig steigen. Und das, ahnt Zenker-Geschäftsführer Funk, »wird bald der Fall sein«.