Koalitionsstreit: Müntefering will deutlich höhere Löhne - Glos ist dagegen - DER SPIEGEL
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Koalitionsstreit Müntefering will deutlich höhere Löhne - Glos ist dagegen

Die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie haben gerade erst begonnen, da meldet sich die Politik zu Wort. Vizekanzler Müntefering spricht sich in einem Zeitungsinterview für deutliche Lohnerhöhungen aus. Wirtschaftsminister Glos ist dagegen: Er sieht das Wachstum in Gefahr.
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Dortmund/Berlin - "Bei den gegenwärtigen Gewinnen der Unternehmen müssen die Arbeitnehmer ihren gerechten Teil davon abbekommen", sagte Arbeitsminister Franz Müntefering den "Ruhr Nachrichten". In den vergangenen Jahren seien die Einkommen in Deutschland "nur wenig gewachsen, teilweise sogar gesunken". Es sei unerträglich, "wie sich einige Manager selbst besonders segnen - und gleichzeitig ihren Beschäftigten Wasser predigen", kritisierte der SPD-Politiker. Das sei "nicht gut für die Demokratie im Land".

Erst gestern hatte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos vor zu hohen Tarifabschlüssen gewarnt. Das Wachstum befinde sich auf einem guten Weg, "wenn nicht zu hohe Lohnabschlüsse dazwischen kommen", sagte der CSU-Politiker.

Auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz, Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, warnte vor großen pauschalen Lohnsteigerungen. Es sei zwar verständlich, dass die Arbeitnehmer an der günstigen Gewinnsituation vieler Unternehmen teilhaben möchten, sagte Franz der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch. "Ich empfehle aber, mehr als bisher Gewinnbeteiligungsmodelle ins Blickfeld zunehmen." Dann seien die Arbeitnehmer "automatisch und ziemlich zeitgleich" an einem Gewinnaufschwung beteiligt. "Außerdem kann man dann sehr viel besser zwischen den Situationen unterschiedlicher Unternehmen differenzieren."

Franz forderte die Tarifparteien in Deutschland auf, die insgesamt moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre fortzusetzen. Sie habe wesentlich zum Beschäftigungsaufbau beigetragen. "Dies sollte man nicht durch überzogene Lohnabschlüsse aufs Spiel setzen."

In den laufenden Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber boten gestern drei Prozent. In der Baubranche beginnt am Freitag die vierte Verhandlungsrunde, dort fordert die Gewerkschaft 5,5 Prozent mehr Lohn. Als erste große Branche hatten sich Anfang März die Tarifpartner der Chemieindustrie auf 3,6 Prozent mehr Lohn plus eine Einmalzahlung geeinigt.

wal/AFP/ddp