Köln: Pause im Zeitungskrieg - DER SPIEGEL
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Köln Pause im Zeitungskrieg

Nicht einmal einen Monat lang konnten sich die Kölner über drei kostenlose Morgenzeitungen freuen. Nachdem eine einstweilige Verfügung dem norwegischen Medienkonzern Schibsted untersagt, sein Blatt "20 Minuten Köln" weiterhin gratis zu verteilen, nahmen auch die Verlage Springer und DuMont ihre Zeitungen vom Markt.
Von Alexander Richter
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Berlin/Köln/Hamburg - Seit Donnerstag gibt es in Köln keine einzige Gratis-Zeitung mehr. Schibsted beugte sich dem vorläufigen Gerichtsbeschluss und stellte "20 Minuten Köln" vorerst ein. Chefredakteur Klaus Kelle rechnet aber damit, dass das Blatt nach einer weiteren Gerichtsverhandlung in zirka drei Wochen wieder erscheinen wird. "Wir werden da weitermachen, wo wir am 13. Dezember angefangen haben", sagte er zu SPIEGEL ONLINE.

Der Axel Springer Verlag nahm nach dem Rückzug von Schibsted seine Gratis-Zeitung "Köln extra" ebenfalls vom Markt. Der Titel sei immer nur eine Abwehrmaßnahme gewesen, die gemeinsam mit dem juristischen Weg zum Erfolg geführt habe, so Springer-Sprecherin Edda Fels zu SPIEGEL ONLINE. Sie freue sich, dass das Berliner Landgericht der Argumentation ihres Verlages gefolgt sei und in der kostenlosen Verteilung von vollwertigen Tageszeitungen einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht sehe.

Auch der Verlag DuMont Schauberg, der den "Kölner Express" publiziert, reagierte auf das Erscheinen der Norweger am Rhein mit einem Gratis-Blatt. "Express light" war eine abgespeckte Version der Kölner Boulevardzeitung. Bereits am Dienstag dieser Woche war der Verlag von seiner bisherigen Strategie abgerückt. Anstatt einer Zeitung verteilte DuMont jeden Morgen Gutscheine für den "Kölner Express".

Der Streit um Gratis-Zeitungen rührt nach Ansicht von "20 Minuten Köln"-Chefredakteur Kelle an den Grundfesten der Pressefreiheit. "Der Artikel 5 des Grundgesetzes ist höher einzuordnen als das Wettbewerbsrecht." Es sei das erste Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte, dass ein Gericht das Erscheinen einer Tageszeitung verboten habe, sagte er. Die Redaktion und die Verlagsleitung hätten zwar überlegt, nur noch dreimal in der Woche zu erscheinen oder weiße Seiten einzubauen, auch eine Verschiebung des Erscheinungszeit vom Morgen in den Nachmittag sei denkbar. Aber letztendlich wolle man die Entscheidung der nächsten Instanz abwarten. "Notfalls ziehen wir bis vor den Europäischen Gerichtshof." Denn warum solle in Deutschland nicht möglich sein, was in Europa erlaubt sei, fragt Kelle. Nach seinen Angaben gibt es in westeuropäischen Großstädten insgesamt zwölf Gratis-Zeitungen, an denen niemand Anstoß nehme.

Für Kelle stehen die Zeichen der Zeit auf kostenlose Informationsverbreitung. Im Zeitalter von Internet, privatem Rundfunk und Fernsehen sei es kaum vorstellbar, dass gerade junge Kunden zukünftig noch für knappe Zeitungsmeldungen bezahlen wollten.

Genau in diesem Punkt widerspricht Fels vom Axel Springer Verlag. "Die deutsche Presse hat im internationalen Vergleich einen hohen Standard und guter Journalismus hat seinen Preis". Der Verkaufspreis einer Tageszeitung mache je nach Strategie zwischen 40 und 60 Prozent der Einnahmen aus. Eine rein über Werbeanzeigen finanzierte Tageszeitung könne nicht die Qualität liefern, die deutsche Leser gewöhnt seien, argumentiert die Sprecherin des "Bild"-Hauses. Sie sei der Überzeugung, dass außerdem die Vielfalt auf dem deutschen Zeitungsmarkt gefährdet sei, wenn sich Gratis-Zeitungen durchsetzen sollten. Kleinere Verlagshäuser, die nur regional tätig seien, hätten nicht den finanziellen Hintergrund, sich der Strategie anzuschließen.

Klaus Kelle nennt die Argumentation von Springer "nicht schlüssig". Und stellt die Frage in den Raum, welches Interesse Springer habe, in dessen Namen die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung, "Bild", erscheint, sich schützend vor kleine Verleger zu stellen. "Vor Gericht präsentierten die Springer-Anwälte Zahlen, denen zufolge die Verkäufe der "Bild" seit dem Erscheinen von "20 Minuten Köln" um 30 Prozent zurückgegangen seien. Aber wenn wundert das schon, wenn es plötzlich drei kostenlose Tageszeitungen in der viertgrößten deutschen Stadt gibt?", so Kelle.