Kohle-Gipfel: Streit beendet - Ex-BP-Manager wird Stiftungschef - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kohle-Gipfel Streit beendet - Ex-BP-Manager wird Stiftungschef

Der zähe Streit um den Vorsitz der geplanten Kohlestiftung ist entschieden: Der frühere BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking wird den Posten übernehmen. Er soll nun den Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlebergbau organisieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Wochenlang hatten der Streit über die Personalie gedauert: Die Union hatte verhindert, dass der von der SPD favorisierte RAG-Chef Werner Müller den Posten bekommt - danach wurden immer neue Namen für den Vorsitz der geplanten Kohlestiftung genannt. Noch heute Morgen hatte es in einem Zeitungsbericht geheißen, der Chef der Ruhrkohle-Tochter Steag, Jochen Melchior, werde den Vorsitz übernehmen. Auch SPIEGEL ONLINE hatte aus diesem Bericht zitiert.

Nun bekommt Bonse-Geuking den Job, das teilte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach einem Treffen der Verantwortlichen in Berlin mit. Darauf habe sich der Bund mit den Bergbau-Ländern Nordrhein- Westfalen und Saarland geeinigt. Bonse-Geuking war von 1995 bis 2002 Vorsitzender des Vorstandes der Veba Oel AG. Nach der Übernahme durch die Deutsche BP AG war er bis Mitte 2004 deren Vorstandsvorsitzender und danach Europachef der internationalen BP Gruppe.

Neben ihm bilden der frühere Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und RAG-Arbeitsdirektor Ulrich Weber den Vorstand der Stiftung. Das Stiftungskuratorium soll von E.on-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann geführt werden. Das Kuratorium soll nach den Worten Glos' zunächst 13 Sitze haben.

"Der Börsengang kann jetzt stattfinden"

Die geplante Stiftung soll den Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlenbergbau und den Börsengang des RAG-Konzerns im kommenden Jahr organisieren. Vor dem Börsengang wird der Konzern in die Stiftung eingebracht und der Bergbau - der so genannte schwarze Bereich - abgespalten. Den so genannten weißen Bereich mit den Sparten Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien bringt die Stiftung dann an den Aktienmarkt.

Die Einnahmen soll die Stiftung nutzen, um die Folgekosten des Bergbaus, die so genannten Ewigkeitskosten, abzudecken. Mit dem Auslaufen der Bergbau-Subventionierung im Jahr 2018 schließen dann die letzten deutschen Steinkohlezechen, so der Plan. Derzeit gibt es noch acht Bergwerke mit knapp 35.000 Bergleuten. Der Bund und die Kohle-Länder zahlen jährlich bis zu 2,5 Milliarden Euro an Subventionen.

Heute Abend fanden die Beratungen über die genaue Ausgestaltung der Stiftung statt. An dem Treffen nahmen auch Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie des RAG-Konzerns teil. "Der Börsengang kann jetzt stattfinden", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers nach der Sitzung. Die Grundsatzentscheidungen seien gefallen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach von einer wichtigen Entscheidung, um die RAG in eine strategisch gute Position zu bringen.

Müller soll nun Vorstandschef der neuen RAG werden. Er wurde heute vom Aufsichtsrat bis Ende Juni 2011 erneut als Chef bestellt.

ase/AFP/dpa/Reuters