Kohlestiftung: Friedrich Merz, Kanonenfutter-Kandidat - DER SPIEGEL
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Kohlestiftung Friedrich Merz, Kanonenfutter-Kandidat

Nachdem die CDU verhindert hat, dass RAG-Boss Werner Müller Chef der geplanten Kohlestiftung wird, steht sie vor einem Problem: Ein anderer Kandidat fehlt. Jetzt ist der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz im Gespräch – offen aber ist, ob er sich das Amt antun möchte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/Düsseldorf – Der parteilose RAG-Chef Werner Müller selbst habe Merz im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel als Übergangslösung für die Gründungsphase der Stiftung vorgeschlagen, berichtet das "Handelsblatt". Eine offizielle Anfrage habe Merz bisher allerdings nicht erhalten. Der frühere CDU-Fraktionschef ist seit zwei Jahren Partner der internationalen Anwaltskanzlei Mayer, Brown, Rowe and Maw, berät die RAG und hatte den Entwurf der Satzung der Kohlestiftung entworfen.

Die geplante Stiftung soll den Börsengang des RAG-Konzerns durchführen, der für 2007 geplant ist. Dabei sollen die "weißen" Sparten wie Chemie, Immobilien und Energie, die profitabel arbeiten, unter dem Arbeitstitel NewCo ausgegliedert werden. Mit dem Erlös des Börsenganges sollen dann die Folgekosten des Steinkohlebergbaus bezahlt werden – diesen Ausstieg soll die Kohlestiftung koordinieren.

Doch das scheinbar mächtige Amt des Stiftungsleiters hat einige Nachteile. So hielte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) es nach SPIEGEL-Informationen für unangebracht, wenn der Stiftungschef mehr verdienen würde als er. Das aber verringert die Chance, dass ein hochkarätiger Manager für den Posten gefunden wird. Werner Müller, derzeit Chef der Gesamt-RAG, wollte das Stiftunksamt zwar, war aber am Widerstand Rüttgers' gescheitert. Als Ausgleich bleibt für Müller nun nur der Posten des NewCo-Vorstandsvorsitzenden.

Einigung Mitte der Woche?

Die offenen Personalien sollen jetzt rasch geklärt werden. Voraussichtlich am Mittwoch soll der Kohle-Gipfel unter Teilnahme von CDU und SPD nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin erneut zusammentreten. Dabei solle die Satzung der Stiftung verabschiedet werden. Auch wolle die nordrhein-westfälische Landesregierung dann oder spätestens in der Folgewoche einen eigenen Kandidaten für den Stiftungsvorsitz vorstellen. Die Stiftung soll bis zum Ende des Monats gegründet werden.

Wenn Merz das Amt übernimmt, dann vermutlich nur interimistisch für einige Monate. Ein Regierungsbeamter hatte jüngst dem SPIEGEL gesagt: "Wir brauchen einen, der sich als Kanonenfutter hergibt, und dann einen, der es tatsächlich werden soll."

Nach SPIEGEL-Informationen stehen auch E.on-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann und der Ex-Lenker der Metallgesellschaft, Kajo Neukirchen, als Stiftungsvorsitzende zur Diskussion. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz und E.on-Chefaufseher Ulrich Hartmann haben bereits signalisiert, dass sie kein Interesse an der Leitung der Kohlestiftung haben.

itz/Reuters/AFP