Kojen-Geschäfte - DER SPIEGEL
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Kojen-Geschäfte

• aus DER SPIEGEL 34/1947
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Halle 3 der Bi-Messe hält den Rekord an ausländischen Besuchern. Hier haben 165 Handwerksfirmen Zweizoniens ihre Zelte aufgeschlagen. Sie heimsen das größte Lob und die meisten Zigaretten der Ausländer ein.

Schon vor dem Kriege exportierten mehr als 7 000 deutsche handwerkliche Unternehmungen. Sie brachten jährlich für 130 Millionen Reichsmark Ausfuhrerlöse in Hitlers Devisentopf.

Nach dem Zusammenbruch arbeiteten sich die Handwerksmänner in die vorderste Linie der Exportfront. Für rund 250 ausländische Einkäufer wird bereits wieder laufend in den beiden Westzonen produziert.

Das Kunsthandwerk ist auf der hannoverschen Messe mit 68 Firmen in einer Gemeinschaftsschau vertreten. Hier schwirrt es nur so von dem »wonderful«, und »très joli« der Ausländer. Sie sind hell begeistert über das Kunstgewerbe, das eine in ihren Ländern unerreichte Qualität hat. Auch die deutschen Besucher staunen und ziehen Vergleiche zu den »kunstgewerblichen Artikeln« in den deutschen Zigarrenläden.

Den Ausländern sind die gegenwärtigen Handelsusancen in Deutschland nicht unbekannt. Viele Ausstellungsstücke möchten sie am liebsten gleich mitnehmen. Manchmal können sie das auch. Es wird dann eine Weile hinter dem Vorhang zu der Schlafkoje des Ausstellers verhandelt.

Den Handwerksexporteuren ist ein Stein vom Herzen gefallen. Sie hängen an den Lippen der Dolmetscher, die ihnen jedesmal von neuem die Meinung der ausländischen Einkäufer interpretieren, daß sie auch heute noch auf den deutschen handwerklichen Markt als Einkaufsquelle angewiesen sind. Meist handelt es sich um Fertigfabrikate, die durch ihren hohen Facharbeiteranteil für den ausländischen Industriellen nicht genug einbringen.

Das deutsche Exporthandwerk hat noch seinen goldenen Boden. Dieser Meinung sind auch die Dekorateure und Stände -Gestalter der Messe, die sich die Nachtarbeit der letzten Tage vor der Eröffnung großenteils in natura bezahlen ließen.

Mr. I. M. Vora aus Bombay interessiert sich auf der Bi-Messe für Farbstoffe; ein englischer Offizier für Lederwaren; die Russen grundsätzlich für alles und die hungrigen Hannoveraner nur für Fischbrötchen

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