Kollegenschelte Linde-Chef Reitzle rügt Manager-Gier
Hamburg - "Nichts ist schlimmer, als wenn Leistung und Belohnung in einem entkoppelten Verhältnis stehen", sagte der Linde-Vorstandschef dem "manager magazin": "Das muss aufhören."
Reitzle äußerte sich außerdem kritisch zu den aktuellen Korruptionsfällen bei Mercedes-Benz und VW. "Schlimm an den Skandalen ist, dass der Ruf eines ganzen Berufsstandes beschädigt wird", sagte er. Dabei lasse sich gesetzwidriges und unmoralisches Verhalten in der Wirtschaft durch vorbildhafte Führung "sehr wohl verhindern".
Reitzle betonte, er wolle eine Fusion oder Zerschlagung des Wiesbadener Mischkonzerns mit allen Mitteln verhindern. "Die Leute, die Linde zerschlagen sehen wollen, möchten an einem Tag 30 Prozent oder mehr mit uns verdienen. Das ist doch kein unternehmerisches Konzept", sagte er. Um die Profitabilität und die Börsen-Performance weiter zu steigern, strebe der Dax-Konzern eine jährliche Steigerung des Unternehmenswertes zwischen sechs und acht Prozent an. "Ich sehe meine Aufgabe darin, nachhaltig Werte zu schaffen", so Reitzle.
Reitzle sagte, er verfüge über die Unterstützung der drei Großaktionäre Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank, die gemeinsam 32 Prozent an Linde halten. "Sie sehen, dass unser Kurs steigt und vertrauen darauf, dass das so weitergeht."
Gerüchte über eine Fusion mit dem britischen Gasehersteller BOC wies Reitzle zurück. Zwar gebe es tatsächlich Gespräche mit dem Mitbewerber, jedoch nur über eine bereits bestehende Partnerschaft im Anlagenbau, nicht über eine Fusion.