Kombilohn-Modell "Jeder Neuanfang ist ein großer Erfolg"
Montabaur ist nicht eben der Nabel der Welt. Doch zurzeit richtet sich ungewohnte Aufmerksamkeit auf das Westerwald-Städtchen in der rheinland-pfälzischen Provinz. Denn der Arbeitsamtsbezirk Montabaur gehört zu den Bezirken, in denen das Mainzer Kombilohn-Modell getestet wird, das in den nächsten Monaten bundesweit eingeführt werden soll.
Gern würde Walter Heinz in diesen Tagen von einem fulminanten Erfolg sprechen, vom großen Ansturm auf die Antragsformulare. Doch seit Beginn des Pilotprojekts im November 2001 sind erst 350 Anträge eingegangen. In den drei anderen Testbezirken Koblenz, Mayen und Neuwied sind es nicht viel mehr. Insgesamt wurden bisher für rund 800 Arbeitnehmer Förderungen genehmigt. Da ist der Weg bis zu den ursprünglich anvisierten 30.000 Förderungen bis 2004 noch weit.
Experten ziehen die Zahl gerne als Beleg für die Aussichtslosigkeit der Maßnahme heran. Selbst das zur Bundesanstalt für Arbeit gehörende Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt zu dem Schluss, die Pilotprojekte hätten nicht den "empirischen Beleg" dafür erbracht, dass damit ein "nennenswerter Beitrag zum Aufbau von Beschäftigung" geleistet werden könne.
Doch vor Ort ist die Perspektive eine andere. "Wir sprechen hier von persönlichen Schicksalen", betont Heinz, "Jeder einzelne Neuanfang ist ein großer Erfolg". Er spricht von der Dankbarkeit, die ihm und seinen Kollegen entgegengebracht wird. Eine Mutter von drei Kindern zum Beispiel sei nach ihrer Scheidung in die Sozialhilfefalle abgerutscht. "Sie konnte ihren Kindern nicht einmal mehr Süßigkeiten kaufen". Jetzt sei sie dank des Mainzer Modells wieder in Lohn und Brot. Auch eine Russland-Aussiedlerin sei unter den Geförderten. Sie habe wieder Arbeit als Küchenhilfe gefunden und erhalte monatlich rund 135 Euro Zuschuss.
Anspruch auf Förderung hat nach dem Mainzer Modell jeder, der monatlich nicht mehr als 810 Euro verdient. Eltern haben überdies noch einen Anspruch auf 77 Euro Kindergeldzuschlag je Kind. Dabei spiele es, so Heinz, keine Rolle, ob der Betroffene wegen seiner geringen Qualifikation so wenig verdienen würde, oder weil er nur Teilzeit arbeite. Jeder Job in der betreffenden Einkommensklasse mit mindestens 15 Wochenstunden sei förderungswürdig. So hätten auch besser qualifizierte Mütter, die den größten Teil ihrer Zeit für ihre Kinder bräuchten, eine Chance. Das Modell sei in dieser Hinsicht erstaunlich frei von bürokratischem Ballast.
Deshalb seien auch die Rückmeldungen der Unternehmen durchweg positiv, beton Heinz. Ihnen gehe es weniger ums Geld, sondern vielmehr um motivierte Mitarbeiter. Das Verfahren sei für die Betriebe denkbar unkompliziert, denn um die Förderung kümmere sich allein der Arbeitnehmer.
Die geringe Resonanz auf das Kombilohn-Modell führt der Arbeitsvermittler darauf zurück, dass sich diese Fördervariante bisher noch nicht ausreichend herumgesprochen habe. Mit der bundesweiten Einführung aber werde sich das ändern.
Im Nachbarland Hessen ist man da weniger optimistisch. Hier versucht man seit eineinhalb Jahren, Arbeitlose für das so genannte Kasseler Modell zu gewinnen. Es unterscheidet sich in einzelnen Details, aber nicht grundsätzlich vom Mainzer Modell. Doch hier haben sich lediglich rund sechs Prozent der Adressaten beteiligt.
In einem Punkt habe das Land die Problematik falsch eingeschätzt, räumt Hessens Staatssekretär im Sozialministerium, Karl-Winfried Seif, ein. "Wir mussten schmerzlich lernen, dass die Hilfeempfänger nicht in Scharen kommen und ihre Jobs gleich mitbringen".