Kommentar: Alles Peanuts? - DER SPIEGEL
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Kommentar Alles Peanuts?

Nur schlichte Gemüter haben vermutet, nach der geplatzten Fusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank würde in der deutschen Finanzlandschaft alles so bleiben, wie es ist. Inzwischen hat die Umwälzung an Fahrt gewonnen. Nur die Deutsche-Bank-Führung blieb bislang noch ungeschoren.
Von Rüdiger Ditz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist schon verwunderlich. Binnen einer Woche räumen vier Top-Manager der Dresdner Bank ihre Sessel, ein weiterer folgt Ende des Jahres. Sie übernehmen, ob freiwillig oder unfreiwillig, die Verantwortung für das peinliche Fusionsdesaster. Aber beim Branchenprimus Deutsche Bank bleibt alles, wie es ist, als ob nichts geschehen wäre. Business as usual wird als Tagesparole ausgegeben. Alles nur Peanuts?

Dabei ist nur schlecht vorstellbar, dass die Dresdner-Bank-Manager allein das Debakel verschuldet haben. Immerhin hatte Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer die zunächst zum "Juwel" erkorene Investmentsparte der Dresdner Bank, Kleinwort Benson (DKB), plötzlich im Zuge der Fusion verramschen wollen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es nicht ganz freiwillig zu dem Stimmungswandel kam. Haben die eigenen Investmentleute mit Abwanderungsdrohungen den Deutsche-Bank-Chef unter Druck gesetzt? Wie auch immer Breuer mit DKB umgegangen ist, er und einige seiner Vorstandskollegen sind beschädigt worden.

Die Dresdner Bank ihrerseits muss handeln, weil sie ein strategisches Problem hat. Wie geht es weiter für den gegenwärtigen Übernahmekandidaten Nummer eins? Schon eilt der Chef der ebenfalls bedrohten Commerzbank, Martin Kohlhaussen, herbei und dient sich als Partner an. Auch er muss sich nach all den früheren Beteuerungen, unabhängig bleiben zu wollen, nun starken Rückhalt suchen. Da deutet sich ein Defensivbündnis an, das die Börsen vermutlich nur kurzzeitig in Wallung versetzt.

Die Dresdner Bank hat sich nun auf Gedeih und Verderb in die Hände des Großaktionärs Allianz begeben. Der Versicherungsriese wird zur Not dafür sorgen, dass die Dresdner bei der HypoVereinsbank unterschlüpfen kann. Nichts wird bleiben, wie es ist.