Kommentar: Atmosphäre vergiftet - DER SPIEGEL
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Kommentar Atmosphäre vergiftet

Der Biss kam schnell, die Wirkung erst mit Verzögerung. Schon als sich im April die niederländische Investorengruppe Rebon mit ihrer Tochter CoBRa als neuer Großaktionär der Commerzbank outete, war klar: Ein Eklat ist programmiert.
Von Rüdiger Ditz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Monatelang hatte Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen auf die Eigenständigkeit seines Hauses gepocht. Monatelang hatte es aber auch immer wieder Spekulationen über eine Übernahme der Großbank gegeben, verstärkt nach dem Rebon-Einstieg.

Ausgerechnet auf der Commerzbank-Hauptversammlung legte nun Hansgeorg Hofmann, Chef der Rebon-Beteiligungsgesellschaft CoBRa, vor aller Öffentlichkeit die Karten auf den Tisch. Mit der Ankündigung, einen starken Partner für das viertgrößte deutsche Kreditinstitut zu suchen, nahm er quasi dem Vorstand das Heft aus der Hand.

Zwar ist es das gute Recht eines Großaktionärs, sich in strategische Belange seines Unternehmens einzumischen. Doch CoBRa hatte wiederholt betont, keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen zu wollen. Bis zu dieser Hauptversammlung.

Die Atmosphäre im Hause der Commerzbank ist spätestens nach dem Aktionärstreffen vergiftet. Kohlhaussen, so scheint es, verliert die Kontrolle über sein Unternehmen. Die Hoffnung, dass CoBRa nach seiner Pfeife tanzt, ist dahin. Nun muss er gehorchen - oder gehen.