Kommentar: Das ist doch kein Streik - DER SPIEGEL
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Kommentar Das ist doch kein Streik

Auch nach dem zweiten Streiktag bleiben für beide Parteien alle Optionen offen. Das Ereignis zeigt aber auch, dass ein Arbeitskampf niemandem so richtig weh tun muss.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn die Deutschen eine Revolution auf dem Bahnsteig anzetteln wollen, kaufen sie sich erst einmal eine Bahnsteigkarte.
Lenin


In Frankreich wissen sie noch, was ein echter Streik ist. Als dort die Fernfahrer im vergangenen Jahr in den Ausstand traten, machten sie gleich die wichtigsten Fernstraßen ganz dicht. Da kam keiner so leicht davon. Auch die, die nur am Rande betroffen waren, wurden blockiert.

Die Piloten der Deutschen Lufthansa sind da ganz anders, aber sie sind ja auch fast so etwas wie Manager. Die wollen nicht um brennende Tonnen herumstehen. Sie kündigten ihre Kampfhandlungen gepflegt an (Streik pünktlich um Mitternacht jeden Donnerstag), und jeder konnte sich darauf vorbereiten.

So konnte die Lufthansa palettenweise belegte Brote und Erfrischungsgetränke für die Passagiere bereitstellen, die Deutsche Bahn schon mal Loks vor die Sonderzüge spannen, die sie am Ende gar nicht brauchte. Und die deutschen Manager - immerhin die wichtigste Klientel der Lufthansa - disponierten kurzerhand ihre Termine um. Was im Übrigen nicht zuletzt beweist, dass die Wirtschaft auch funktioniert, wenn der Manager-Reiseverkehr einmal unterbrochen wird.

Die Atmosphäre der Verhandlungen dürfte also durch das disziplinierte Streikverhalten der Piloten nicht nennenswert beeinträchtigt worden sein. Alles spricht dafür, dass die Streithähne schon bald zusammenfinden. Es stellt sich nur die Frage: Warum nicht gleich so?