Kommentar: Der Prozess wird Schrempp viel Geld kosten - DER SPIEGEL
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Kommentar Der Prozess wird Schrempp viel Geld kosten

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Gelassenheit der DaimlerChrysler-Bosse ist nur vorgetäuscht. Schrempp und seine Kollegen stehen so stark unter Druck, dass sie den Erfolg der Milliarden-Klage öffentlich nicht einmal in Erwägung ziehen dürfen. Dazu passt, dass sie Rückstellungen für das Prozessrisiko strikt ablehnen. Hinzu kommt, dass Kerkorian nicht mehr der einzige Kläger ist. Zwei weitere Aktionärsgruppen haben sich dem exzentrischen US-Milliardär Kerkorian bereits angeschlossen.

Doch Schrempps Anwälte werden ihm sagen, dass die Auseinandersetzung mit den Chrysler-Aktionären nicht ohne Risiko für das Stuttgarter Unternehmen ist. Amerikanische Gerichte sind bekannt für unkonventionelle Urteile und auch für ihre mitunter extrem harten Strafen. Hinzu kommt, dass Schrempp mit seinen offenen Worten in verschiedenen Interviews seinen Gegnern hervorragende Argumente geliefert hat. Amerikanische Gerichte sind sehr empfindlich, wenn es um so genannten Prospektbetrug geht.

Außerdem wird das Geschehen im Gerichtssaal von vielen anderen Faktoren beeinflusst, die mit der Sache selbst nichts zu tun haben - in dieser Beziehung haben die Chrysler-Aktionäre ein Heimspiel. Aus Sicht der Amerikaner lässt sich durchaus ein Sachverhalt darstellen, der den Richter zu der Überzeugung bringt, Schrempp hätte eine Übernahme von Anfang an geplant.

Ganz gleich aber, wie der Prozess ausgeht: Er wird DaimlerChrysler auf jeden Fall eine Menge Geld kosten. Denn in den USA muss jeder die Anwaltshonorare selbst bezahlen. Und die werden frei ausgehandelt. Sie fallen um so höher aus, je ärger der Mandant in Bedrängnis ist. Insofern hat Schrempp durch sein ungeschicktes Vorgehen schwere Fehler gemacht und seine Aktionäre geschädigt.