Kommentar: Die Angst sitzt fest im Markt - DER SPIEGEL
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Kommentar Die Angst sitzt fest im Markt

Selten haben Anleger, Unternehmer und Wirtschaftsexperten so gebannt auf die Finanzmärkte geblickt wie an diesem Montag. Absturz in den USA, Absturz in Fernost, T-Online-Börsengang. Doch das befürchtete "Kurs-Massaker" blieb in Europa aus - allerdings auch die Hoffnung, dass nun wieder goldene Zeiten am Aktienmarkt anbrechen.
Von Rüdiger Ditz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Viele Börsianer konnten ihre Enttäuschung nicht verhehlen. Was auf den ersten Blick wie ein Sieg der Anleger-Vernunft aussah, nämlich nicht dem Verkaufsrausch zu verfallen, könnte nur von kurzer Dauer sein.

Das seit langem erwartete reinigende Gewitter an der deutschen Börse fiel aus, die Spekulationsblase ist immer noch ganz ordentlich mit heißer Luft gefüllt. Dafür gesorgt haben auch die Konsortialbanken von T-Online, also nahezu alle deutschen Kreditinstitute von Rang. Sie haben offenbar den Preis des Börsenneulings mit Stützungskäufen künstlich nach oben getrieben, weil bei der spektakulären Neuemission nicht sein kann, was nicht sein darf: Dass der Kurs der neuen Volksaktie abstürzt.

Doch wie lange wird das gut gehen? Auch wenn die US-Börsen sich am Nachmittag wieder etwas erholt haben: Die Angst sitzt fest im Markt - vor der Inflation in den Vereinigten Staaten, vor möglichen Zinserhöhungen und einer ganzen Heerschar von Internetunternehmen, die zu schwach auf der Brust sind, um in kritischen Phasen der Finanzmärkte durchzuhalten.

Anleger sollten dennoch nicht verzagen. Die Konjunkturaussichten, vor allem in Europa, sind bestechend, die neuen Technologien bleiben trotz der Rückschläge faszinierend und zukunftsweisend. Und wenn die Korrekturphase vorbei ist, wird die Börsenwelt auch wieder auf kräftig steigende Kurse blicken können.