Kommentar: Gipfel der Arroganz - DER SPIEGEL
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Kommentar Gipfel der Arroganz

Es ist manchmal nötig, Selbstkritik zu üben. Was Robert Hendry darunter versteht, spottet allerdings jeder Beschreibung.
Von Carsten Matthäus
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Opel-Chef gesteht also ein, dass er den Einbruch der Automobilkonjunktur "in dieser Dimension nicht erwartet hatte", und eigentlich meinte er auch, "einen höheren Marktanteil und ein besseres Ergebnis verkünden zu können".

Angesichts der Explosion der Verluste und eines dramatischen Rückgangs des Marktanteils sind solche Worte die schiere Arroganz. Hendry hat bei Opel nichts als Probleme produziert. Mit fast allen seiner Vorstandskollegen hat er es sich verscherzt, selbst altgediente Manager der General-Motors-Tochter warfen entnervt das Handtuch.

Der Amerikaner, der es vorzog, gar nicht erst deutsch zu lernen, brachte überdies die gesamte Belegschaft gegen sich auf. Monatelang wurde nichts gegen Gerüchte unternommen, die Zusammenarbeit mit Fiat könnte Tausende von Arbeitsplätzen kosten. Immer war von Hendry nur eines zu erfahren: Was die Konzernmutter General Motors sagt und tut, ist richtig - Punkt. Seit 40 Jahren handelt er nach dieser Devise. Warum sollte er sich gerade von ein paar renitenten Deutschen beirren lassen?

Die peinliche Vorstellung des Herrn Hendry sollte vor allem einem zu denken geben: Jürgen Schrempp. Dieser ist auf dem besten Wege, für ein ähnliches transatlantisches Fiasko zu sorgen. Dieter Zetsche, sein Mann in Detroit, spricht immerhin englisch mit seiner Belegschaft. Der DaimlerChrysler-Chef hat sich dagegen mit dem Management-Kehraus und selbstgefälligen Interviews in kürzester Zeit zum Hassobjekt gemacht.

Anstatt von Global Playern und Management der Kulturen zu faseln, sollten Hendry, Schrempp und Co. eine Sache tun, die der schlichte, global gültige Anstand gebietet. Sie sollten zumindest die offensichtlichsten Fehler zugeben und sich nicht ständig selbst beweihräuchern.