Kommentar: Kotau der Politik - DER SPIEGEL
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Kommentar Kotau der Politik

Zwei Großbanken beschließen ihre Fusion, um zu expandieren und ihre schon jetzt fetten Gewinne weiter zu erhöhen. Im gleichen Atemzug erklären sie, dass sie mehr als ein Zehntel ihrer Arbeitsplätze abbauen. Und was macht der deutsche Bundeskanzler? Er verspricht, die Lasten des Stellenabbaus mitzuschultern und lobt sogar die Chancen für die deutsche Wirtschaft.
Von Rüdiger Ditz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Zeiten der Globalisierung, das belegt die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank erneut, verwässern die Unterschiede zwischen Kooperation und Kotau im Umgang der Politik mit der Wirtschaft zusehends. Kein Aufschrei, keine Warnung, kein Aufbegehren - die Politik ist handzahm geworden angesichts der jüngsten Mega-Merger. Und das über die Parteigrenzen hinweg.

Der SPD-Wirtschaftsexperte Ditmar Staffelt gibt kleinlaut seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Stellenabbau die Beschäftigungspolitik des Bundes nicht gänzlich konterkarieren möge. Sein CDU-Pendant Gunnar Uldall, ehedem Ministerkandidat in Rühes Schleswig-Holstein-Truppe, sieht sogar Chancen auf neue Arbeitsplätze durch den Zusammenschluss. Angesichts der Prognosen über Umstrukturierungen, Rationalisierung und Stellenverlusten in der Finanzbranche muss das für den gelernten Bankkaufmann, der nun um seinen Job bangt, wie Hohn klingen.

Genosse Schröder scheint seine zweite Chance wie einst im November zu wittern. Damals mimte er den Retter für die Holzmänner, badete im Jubel. Der Kanzler: ein Macher, ein Klassenkämpfer, einer von uns. Ein wenig davon ist seitdem an seinem zuvor wirtschaftslastigen Image hängen geblieben. Also auf ein Neues! Ob die Menschen ihm das noch einmal abnehmen?