Kommentar Schlechter Diplomat
"Welche Kritik auch immer gegen mich oder mein Unternehmen geäußert wird, ich muss sie akzeptieren. Dann muss ich mich ums Geschäft kümmern". Mit diesen knappen Worten ließ Jürgen Schrempp kritische Fragen von Journalisten auf der Detroit Auto Show an sich abtropfen. Ansonsten posierte er wie gewohnt als überlegener Gewinner und enthielt sich fein den Kommentaren zum Arbeitsplatzabbau bei Chrysler und zu anderen, ähnlich lästigen Themen.
Wieder einmal muss sich die restliche Autowelt mit den Informationshäppchen des Herrn Schrempp zufrieden geben, die eigentlich nichts anderes besagen als "Wir machen das schon" und "Wir sind stark". Das klingt arrogant, wenn nicht gar zynisch angesichts der unsicheren Zukunft der rund 33.000 Chrysler-Mitarbeiter, denen eine Schreckensmeldung nach der anderen um die Ohren fliegt. Es ist die deutsche Aussitz-Methode nach dem Muster Helmut Kohls: Solange nichts sagen, bis auch der letzte Kritiker entnervt den Mund hält.
Der schlimmste diplomatische Fehler ist es aber, dass Schrempp und seine Mannen lieber über Mercedes reden als über Chrysler. Gerne sonnt man sich in Detroit im strahlenden Erfolg des Sterns, zählt sich lieber zu den deutschen Konzernen und spricht stolzgeschwellt über Erfolge. Dumm nur, dass dies gerade nicht die Haltung ist, die sich der DaimlerChrysler-Chef erlauben kann. Er ist der erste Diplomat seines Unternehmens und sollte sich zumindest in Detroit ganz als Chrysler-Mann zeigen. Da hat er auf ganzer Linie versagt.