Kommentar: Schröders Holzhammer-Diplomatie - DER SPIEGEL
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Kommentar Schröders Holzhammer-Diplomatie

Der selbst ernannte Artist in der Manege der Diplomatie hat eine klassische Bauchlandung hingelegt. Weltpolitiker Gerhard Schröder wurde nach seiner stümperhaften Nominierung Koch-Wesers für den IWF-Chefposten auf Normalmaß zurechtgestutzt. Jetzt droht ihm mit seinem neuen Kandidaten Horst Köhler die nächste Pleite.
Von Rüdiger Ditz
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Die Anwürfe kamen von allen Seiten: US-Amerikaner, Franzosen, Briten - alle, die im Konzert der Mächtigen Rang und Namen haben, ließen Schröder auflaufen. In den USA wird derweil über den Gesichtsverlust des deutschen Kanzlers debattiert.

Die diplomatische Farce erinnert an die Wahl des EZB-Präsidenten 1998, als weiland Helmut Kohl mit seinem gesamten politischen Gewicht seinen Kandidaten Wim Duisenberg durchdrücken wollte - und es in einem beispiellosen und peinlichen Verhandlungsmarathon auch tat.

Von so viel diplomatischem Durchsetzungsvermögen ist Schröder weit entfernt. Aber einigermaßen unbeeindruckt von der Niederlage bei der IWF-Probeabstimmung hat er schnell den nächsten Kandidaten zur Hand: Koch-Weser verheizt, jetzt ist Horst Köhler an der Reihe. Zwar gestehen Beobachter dem Osteuropa-Banker mehr Statur zu als dem ersten Anwärter - allerdings scheint auch er nicht völlig unumstritten.

Italien erwägt, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Die französische Regierung und die EU-Kommission scheinen ob der möglichen Nominierung Köhlers nicht gerade vor Glück jubeln zu wollen. Andere Staaten hielten sich mit wenigen Ausnahmen merklich zurück. Zu sehr hatte sie Schröder im Ringen mit den USA vorgeführt. Zu viel bleibt nach der Koch-Weser-Blamage an ihnen hängen.

Schröder hat sich mit seiner Holzhammer-Taktik ohne Not in Abhängigkeiten begeben. Denn sein außenpolitisches Gewicht misst sich nun am Wohlwollen der Partnerstaaten, den EU-Nationen und insbesondere den USA. Sollte der Kanzler mit Köhler erneut scheitern, hat Deutschland seinen diplomatischen Kredit fürs Erste verspielt.