Kompromissgeste Airbus will sich US-Auftrag mit Boeing teilen
Paris/Chicago - Bei dem Auftrag geht es um die Lieferung von 100 Tankflugzeugen für die amerikanische Air Force im Wert von 23 Milliarden Dollar. Die EADS hat Boeing vorgeschlagen, man könne die Anforderungen der US-Luftwaffe gemeinsam zu erfüllen versuchen. Das bestätigte Diane Murphy, Vice President von EADS North America, am Freitag. "Wir glauben, der Auftrag könnte geteilt werden, und das wäre für uns auch akzeptabel."
Ein geteilter Auftrag komme den Wünschen der Air Force entgegen, so Murphy. Dann müsse man bei einem entdeckten Serienfehler nicht die gesamte Flotte stilllegen. Das Pentagon hatte den bereits an Boeing vergebenen Auftrag erneut ausgeschrieben, nachdem eine Bestechungsaffäre bekannt geworden war. Anschließend hatte EADS über Millionen Dollar in die Nachbesserung seiner ursprünglichen Offerte investiert.
Ebenfalls am Freitag war bekannt geworden, dass die USA und Europa die Eskalation des Konfliktes um milliardenschwere Subventionen im Flugzeugbau vermeiden wollen. Beide Seiten streben wieder bilaterale Verhandlungen an und wollen vermeiden, dass die Welthandelsorganisation WTO ein Verfahren wegen der staatlichen Förderungen einleitet. "Wenn die Europäische Union ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist, sehe ich gute Chancen, von einem WTO-Verfahren abzusehen", sagte der Vorsitzende von Boeing Deutschland, Horst Teltschik, dem "Handelsblatt".
Mandelson-Sprecherin: "Prozess vor der WTO vermeiden"
Aus Boeing-Sicht sei die WTO "nicht die geeignete Plattform" für die Auseinandersetzung der Wettbewerber, betonte Teltschik. Eine Sprecherin des neuen EU-Handelskommissars Peter Mandelson sagte der Zeitung: "Wenn wir einen Prozess vor der WTO vermeiden könnten, der am Ende nur beiden Seiten schadet, viel Zeit und Geld kostet, wäre das gut."
Industriekreise rechneten zwar nicht damit, dass nach dem Treffen von Mandelson mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Zoellick am 6. Dezember in Paris, bei dem der Konflikt zwischen Boeing und Airbus auf der Tagesordnung steht, konkrete Ergebnisse vorliegen werden. Europäer und Amerikaner könnten sich aber darauf verständigen, dass Airbus und Boeing die Verhandlungen wieder aufnehmen, um ein neues Abkommen zur Flugzeugfinanzierung vorzubereiten, hieß es. Die USA hatten den 1992 abgeschlossenen Vertrag, der die Gewährung von Staatshilfen bei großen Flugzeugprogrammen regelt, im Oktober 2004 einseitig aufgekündigt.
Auf dem Höhepunkt des Subventionsstreits hatte Boeing nach den Angaben am 6. Oktober 2004 Klage vor der WTO eingereicht, die Airbus umgehend mit einer Gegenklage konterte. Bei der WTO treten die USA und die EU als Beschwerdeführer der Konzerne auf. Kurz vor Ablauf der zweimonatigen Beratungsphase am 6. Dezember zeichne sich ab, dass weder Airbus noch Boeing daran interessiert seien, den Konflikt auf WTO-Ebene weiterzuführen.
Gelinge den Konfliktparteien nicht binnen zwei Monaten nach Einreichung einer Klage bei der Welthandelsorganisation eine Annäherung, habe der Kläger das Recht, ein WTO-Gremium mit der Prüfung des Falls zu beauftragen. "Dann wird es richtig ernst", zitiert das "Handelsblatt" einen Insider.