Konflikt Bahn-Tarifverhandlungen ergebnislos vertagt
Berlin - Noch sind die Verhandlungen nicht gescheitert, beide Seiten zeigen sich weiter kompromissbereit. Die Gespräche würden am Vormittag um 9.30 Uhr wieder aufgenommen werden, sagte der Sprecher der Gewerkschaft GDBA, Uwe Reitz. "Transnet und GDBA erwarten von der Bahn ein abschlussfähiges Angebot", sagte Reitz. Die vom Konzern zwischenzeitlich angebotenen 3,9 Prozent mehr Lohn seien "nach wie vor zu wenig". Die Bahner-Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr pro Monat.
Reitz zitierte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel mit den Worten, die Gewerkschaft habe keine Lust mehr auf eine "Salamitaktik". Sie wolle jetzt "ein abschlussfähiges Angebot, kein verhandlungsfähiges Angebot". Transnet-Sprecher Michael Klein sagte, das Bahn-Angebot sei "deutlich nachbesserungsfähig". Zunächst war das Plus von 3,9 Prozent von Gewerkschaftskreisen als "leicht verbessertes" Angebot bezeichnet worden.
Zuvor hatte die DB den Gewerkschaften 3,4 Prozent mehr Lohn für 2008 und 2009 sowie eine Einmalzahlung von 450 Euro für das laufende Jahr angeboten. Vor Beginn der jüngsten Verhandlungsrunde hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften zunächst optimistisch zu den Aussichten auf eine Einigung geäußert.
An der Verhandlungsrunde in Berlin nahm die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nicht teil. Sie fordert einen eigenen Tarifvertrag und Lohnerhöhungen von bis zu 31 Prozent. Die Bahn bezeichnete diese Forderung als indiskutabel.
Bahnkunden müssen sich in den nächsten Tagen auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen, weil die GDL vor ihrem separaten Spitzengespräch mit der Bahn am kommenden Freitag neuerliche bundesweite Arbeitsniederlegungen angekündigt hat. Der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Sachsen und Brandenburg, Hans-Joachim Kernchen, drohte mit einer Urabstimmung für den Fall, dass die Bahn den Lokführern kein Angebot für einen Sparten-Tarifvertrag vorlegt. Kernchen kündigte in der "Welt" an, von Dienstag an solle es bundesweite Warnstreiks im Nah-, Fern- und Güterverkehr geben.
Einer Umfrage zufolge sind 59 Prozent der Deutschen dafür, dass die Lokomotivführer deutlich mehr Geld verdienen sollten.
ler/AFP/AP