Konjunktur Der Boom kommt - aber nach einer Pause
Berlin/München - Während sich Bundeswirtsaftsminister Werner Müller (parteilos) zuversichtlich äußerte, dass bald mit einem kräftigen Aufschwung zu rechen sei, geht das Finanzministerium von einer "vorübergehenden Wachstumspause" aus. Gründe seien die weltwirtschaftliche Abschwächung und der Kaufkraftentzug im Inland durch den Preisanstieg bei Energie und Nahrungsmitteln. Dieses Resümee zog das Ministerium am Montag in seinem Monatsbericht zur wirtschaftlichen Lage. Das Wachstum stagnierte im zweiten Quartal dieses Jahres. Die konjunkturelle Flaute belaste auch den Arbeitsmarkt, hieß es weiter.
Bei näherer Betrachtung liegen die Minister so weit nicht auseinander - Müller blickt nur weiter nach vorn. "Die Konjunktur durchschreitet derzeit die Talsohle. Ende des Jahres oder Anfang 2002 meldet sich ein kräftiger Aufschwung zurück", sagte der Minister der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".
Müller halte für das erste Halbjahr 2002 ein Wachstum von 3,5 Prozent für realistisch, schrieb die Zeitung. Er sagte mit Blick auf den Arbeitsmarkt: "Ich bin zuversichtlicher als der Kanzler, dass die Arbeitslosenzahlen bis zum Herbst 2002 auf 3,5 Millionen sinken."
Trotz einer leicht verbesserten Stimmung in der deutschen Wirtschaft sieht das Ifo Institut allerdings noch keine Anzeichen für einen breiten Aufschwung. In Branchen wie der Bauwirtschaft und dem Einzelhandel rechneten die Unternehmen wegen der Flaute mit weiteren Stellenstreichungen, teilten die Wirtschaftsforscher in ihrem Konjunkturtest für Juli mit. In der Industrie dagegen gebe es erste positive Signale. Der Ifo-Geschäftsklimaindex war im Juli entgegen den Erwartungen erstmals seit Januar wieder leicht angestiegen.
Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe in Westdeutschland hatte sich erstmals seit Ende vergangenen Jahres leicht verbessert. Dieser positive Trend hat allerdings noch nicht den Investitions- und den Geschäftsgüterbereich erfasst. Insgesamt aber blickt die westdeutsche Industrie nach Ifo-Angaben weniger skeptisch in die Zukunft als bisher.