Konjunktur: Deutsche Wirtschaft pessimistisch - DER SPIEGEL
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Konjunktur Deutsche Wirtschaft pessimistisch

Sogar noch schlechter als befürchtet ist der ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat März ausgefallen. Die Stimmung in der deutschen Industrie sinkt weiter.
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München - Der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Westdeutschland ging auf 93,9 Punkte zurück, teilte das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Indexstand von 94 gerechnet. Im Februar hatte der Wert noch bei 94,9 gelegen.

Das Klima im Osten fiel auf 104,6 (106,5) Punkte. In beiden Teilen Deutschlands beurteilten die befragten Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe und dem Groß- und Einzelhandel ihre aktuelle Situation negativer und zeigten sich auch bei den Erwartungen pessimistischer.

In den alten Bundesländern fiel der Index für die Erwartungen auf 97,1 (98,5) und erreichte damit den niedrigsten Stand der zurückliegenden zwölf Monate. In den neuen Bundesländern ging der entsprechende Wert auf 85,5 (86,8) zurück.

Experten uneinig, ob Talsohle erreicht

Invesco-Chefvolkswirt Jörg Krämer hatte mit einem Geschäftsklima-Wert von 94 gerechnet und erwartet auch für die kommenden Monate keine Besserung: "Der Abwärtstrend im ifo ist ungebrochen." Nach seiner Auffassung werden sich der Index "frühestens im dritten Quartal" und die Konjunkturentwicklung sich "erst im nächsten Jahr" stabilisieren.

Etwas optimistischer äußerte sich Hans-Jürgen Meltzer von Deutsche Bank Research: "Der Abwärtstrend im ifo dauert an, aber wir nähern uns der Talsohle." Gegen Anfang des zweiten Halbjahrs werde sich der ifo stabilisieren, die Konjunktur gegen Ende des Jahres. "Die Verlangsamung läuft aus", zeigt sich Meltzer überzeugt.

Stärkerer Preisanstieg befürchtet

Eine "grottenschlechte" Entwicklung erwartet Krämer bei den vorläufigen April-Verbraucherpreisen. Im Vergleich zum März rechnet er mit einer Steigerung von 0,4 Prozent, was binnen Jahresfrist ein Preisanstieg von 2,9 Prozent bedeute. Krämer erläutert den Preisauftrieb unter anderem mit den hohen Benzinpreisen der Mineralölkonzerne. Zudem hätten die Preise von Milchprodukten auf Grund von BSE und MKS deutlich zugelegt, was sich in der April-Teuerung zeigen werde.

Für den weiteren Jahresverlauf zeichnet der Ökonom ein zuversichtliches Bild. So ließen die Effekte aus dem Ölpreisanstieg nach. Hauptgrund seien aber die stagnierenden Lohnstückkosten, so dass aus dem Inland kaum mehr Preisdruck komme.

Meltzer beziffert die April-Steigerung der Verbraucherpreise auf 0,4 Prozent zum Vormonat und 2,7 Prozent im Vergleich zu April 2000. Als Gründe des Preisauftriebs nennt er Öl- und Fleischpreise. Für den weiteren Jahresverlauf gibt sich Meltzer jedoch zuversichtlich, dass die Teuerung unter den EZB-Referenzwert von zwei Prozent fallen wird: "Das ist nicht unrealistisch". Das schlimmste bei den Ölpreisen sei überstanden und auch der Euro sei nicht dauerhaft schwach, sagt er.

Mit Spannung blicken sowohl Krämer als auch Meltzer auf den Einfluss der Pauschalreisen, die sich den Angaben zufolge mit bis zu zwei Zehnteln auf die April-Verbraucherpreise auswirken können. Normalerweise sei im April ein scharfer nachösterlicher Rückgang zu verzeichnen, so die Ökonomen. Auf Grund des späten Zeitpunkts des Osterfestes 2001 sei dies indes dieses Mal fraglich, so dass von den Pauschalreisen "das größte Risiko" auf die April-Preisentwicklung ausgehe.