Konjunktur Deutsche Wirtschaft steht unter Dampf
Hamburg - "Trotz der guten Wachstumserwartungen muss man sehen, dass Deutschland nicht die Lokomotive im europäischen Konjunkturzug ist, sondern der Bremswagen am Schluss", sagte Thomas Straubhaar, der Präsident des Instituts, am Dienstag in Hamburg. Deutschland bleibe weit hinter dem Wachstum der anderen europäischen Länder zurück.
Notwendig seien Reformen zur Liberalisierung der Arbeitsmärkte und im Bildungssystem. Angesichts der sich abzeichnenden Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts müsse sich die Gesellschaft auf schnelleren Wandel und eine zunehmend komplexe Arbeitswelt einstellen. Darauf sei die Gesellschaft unzureichend vorbereitet. "Arbeitsverträge müssen individualisiert und flexibilisiert werden", forderte Straubhaar. Die jüngsten Gesetzesinitiativen der Regierung in den Bereichen Mitbestimmung und Teilzeitarbeit seien Rückschritte, die dem Arbeitsmarkt mehr statt weniger zusätzliche Fesseln anlegten.
Aufschwung wird sich fortsetzen
Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland wird sich nach den Erwartungen des HWWA auch im nächsten Jahr fortsetzen. Soweit heute absehbar sei, werde die Wirtschaftsleistung im Jahr 2002 um 2,5 Prozent zunehmen und die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen. Diese Prognose sei jedoch mit einigen Unsicherheiten behaftet, etwa der weiteren Wirtschaftsentwicklung in den USA und den Ölpreisen. "Wir können aber sagen: Der Aufschwung bleibt solide", erklärte der HWWA-Chef. Deshalb sei der Zeitpunkt für Reformen besonders günstig.
Der HWWA-Konjunkturexperte Eckhardt Wohlers erneuerte die positiven Erwartungen des Instituts für das laufende Jahr. "2001 wird ein überdurchschnittlich gutes Jahr für Deutschland und Europa", erklärte er. Bei einem Wachstum von 2,7 Prozent werde die Zahl der Erwerbstätigen um 1,1 Prozent zunehmen und die Arbeitslosenquote von 9,2 auf 8,6 Prozent im Jahresdurchschnitt zurückgehen.
Wohlers erwartet einen steigenden Euro, sinkende Ölpreise und eine weiche Landung der amerikanischen Wirtschaft. Durch die entlastende Wirkung der Steuerreform werde der private Verbrauch zunehmend an Bedeutung gewinnen, während sich das Wachstum des Exports leicht abschwächt.