Konjunktur Die Unternehmen investieren wieder
München - Es wäre die erste Zunahme nach zwei rückläufigen Jahren: Im Gesamtjahr sei mit einem Anstieg der Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe um nominal vier Prozent zu rechnen, berichtete das ifo-Institut. Etwa jede zweite Firma in den alten Bundesländern wolle mehr investieren als 2003, nur jede fünfte weniger. Nach der langen Flaute ziehe die Industrieproduktion derzeit langsam an, und die Kapazitäten würden zunehmend besser ausgelastet. Vor diesem Hintergrund investieren die Firmen wieder verstärkt in die Erweiterung ihrer Produktionsanlagen und in die Fertigung neuer Produkte.
Bei dem erwarteten Investitionsanstieg müsse aber das schwache Ausgangsniveau berücksichtigt werden, betonten die Wirtschaftsforscher. Im vergangenen Jahr waren die Investitionen in der westdeutschen Industrie um drei Prozent auf 41,3 Milliarden Euro gesunken. 2002 hatte das Minus zehn Prozent betragen. Für ihren Investitionstest hatte das ifo-Institut 1900 westdeutsche Unternehmen befragt, die rund die Hälfte des Gesamtumsatzes der Branche erwirtschaften. Für die neuen Bundesländer gibt es eine eigene Untersuchung.
Dass die zunehmende Investitionsbereitschaft zu neuen Arbeitsplätzen führt, bezweifeln die Wissenschaftler jedoch. In den deutschen Unternehmen herrsche noch immer die Devise "Personalkosten drücken". Ein weitere Umfrage unter 1100 Managern aus allen Branchen liefere den Beleg dafür. Immerhin gingen die meisten Unternehmen mittlerweile dazu über, ihren Personalbestand durch die Nichtbesetzung frei werdender Stellen zu verringern. Weniger häufig als noch in früheren Phasen wirtschaftlicher Stagnation werde dagegen zum Instrument der betriebsbedingten Kündigung gegriffen.
Zwar sei ein Großteil der Betriebe grundsätzlich bereit, die Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sich die Kosten auf andere Weise, etwa durch längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, senken ließen, ergab die Befragung. Diese Lösung werde zugleich von den meisten Unternehmen als die beste Möglichkeit zur Kostensenkung favorisiert.
Dass solche Schritte möglich seien, bewiesen die Einigungen bei Siemens und DaimlerChrysler, erklärten die Konjunkturforscher. "Den gordischen Knoten durchschlagen zu haben, verschafft diesen beiden Modellen grundlegende Bedeutung: Sie haben Signalfunktion für die gesamte deutsche Wirtschaft." Allerdings stünden einer Senkung der Personalkosten bei gleichzeitigem Erhalt der Arbeitsplätze nach Einschätzung der Manager oftmals die Tarifbestimmungen entgegen.