Konjunktur Experten rechnen nur mit kleinen Dämpfern
Hamburg/München - Stabil und robust - so schätzen die Experten des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) das Wachstum der kommenden Jahre ein. Sie rechnen für dieses Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 2,5 Prozent und im kommenden Jahr um 2,3 Prozent. Im Juni hatten die Experten noch eine wirtschaftliche Entwicklung von 2,8 Prozent für 2007 und 2,5 Prozent für 2008 prognostiziert.
Es gebe aber weiter Anlass zum Optimismus, sagte der Leiter des Instituts, Thomas Straubhaar. So laufe etwa der Arbeitsmarkt weiterhin gut, sagte Straubhaar. Er rechnet mit 700.000 neuen Jobs im laufenden Jahr und 400.000 im Jahr 2008 und prognostizierte einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf unter 3,5 Millionen 2008.
In Hochstimmung ist auch der Mittelstand, wie eine Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt. "Die Stimmung ist ausgezeichnet", sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Demnach will mehr als die Hälfte der 4.000 befragten Firmen ihren Betrieb erweitern, jeder fünfte Betrieb will zusätzliche Jobs schaffen. Die Einstellungspläne der Firmen fielen so positiv aus wie seit zehn Jahren nicht mehr, sagte Rödl.
Über die Hälfte (51,8 Prozent) der befragten Unternehmen stuften ihre Situation als gut oder sehr gut ein. "Die Stimmung im Herbst ist optimistischer als zu Beginn des Jahres", erklärte Rödl. Sorgen mache aber, dass etwa ein Drittel der Mittelständler eine schlechte Eigenkapitalausstattung habe und deshalb eine schlechtere Ausgangslage bei der Kreditvergabe. Hier sei wegen der US-Hypothekenkrise mit einer vorsichtigeren Vergabepraxis der Banken zu rechnen.
Auch den optimistischen Wirtschaftsaussichten in der Eurozone habe die Finanzkrise einen Dämpfer verpasst, hieß es in einer gemeinsamen europäischen Konjunkturprognose des Münchner ifo-Instituts und anderer europäischer Wirtschaftsforschungsinstitute. Es sei aber schwer einzuschätzen, wie stark sich die Krise auswirke. Der private Konsum werde aber dank der günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt anziehen. Im Jahr 2007 werde der Anstieg des BIP bei 2,6 Prozent liegen, erklärten die Experten. Im Juli hatten die europäischen Wirtschaftsforscher für das Gesamtjahr noch 3 Prozent prognostiziert.
Das HWWI erwartet langfristig keine größeren Schwierigkeiten wegen der Finanzkrise. Auch beim Ölpreis ist nach Auffassung des HWWI das Schlimmste vorbei. In diesem Jahr gehen die Fachleute von einem Durchschnittspreis von 69 Dollar pro Barrel für die Nordseesorte Brent aus, für 2008 von 72 Dollar. Heute lag dieser Preis bei etwa 79 Dollar.
sam/AP