Konjunktur: Export kommt wieder auf Touren - DER SPIEGEL
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Konjunktur Export kommt wieder auf Touren

Die Auftragsbücher der Industrie sind wieder gefüllt. Trotzdem will Aufbruchstimmung noch nicht aufkommen, denn die positiven Impulse kommen allein von der Nachfrage aus dem Ausland.
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Berlin - Wirtschaftsminister Wolfgang Clement wertete den Aufwärtstrend - Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten stieg im August gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent - als erstes handfestes Zeichen für eine Konjunkturbelebung, warnte aber dennoch vor verfrühtem Jubel. Dies belege, dass sich die harten Fakten verbessern könnten. Es dürfe aber nicht übersehen werden, dass die Lage der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt noch immer außerordentlich labil sei. Jetzt entscheide sich, ob die Konjunktur zur Berg- oder Talfahrt ansetze und Deutschland Anschluss zur Weltspitze halte.

Clement warb erneut für die Umsetzung der Reformen aus der Agenda 2010 und das Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004. Diese Maßnahmen seien notwendig, die dreijährige Stagnationsphase zu überwinden. "Die Weltwirtschaft wartet nicht darauf, bis die Bundesrepublik mit sich ins Reine kommt."

Die Binnennachfrage nach Industrieprodukten blieb schwach. Während im August im Inland ein Auftragsrückgang von 1,0 Prozent registriert wurde, erhöhte sich der Wert der Auslandsorders um kräftige 2,4 Prozent. Davon profitierte allein die westdeutsche Industrie.

Am Montag hatte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag von positiven Signalen berichtet. Das Wirtschaftsministerium korrigierte zugleich die Zahlen für Juli leicht nach oben.

Trotz der ermutigenden Zahlen schwanken die deutschen Unternehmen bei der Beurteilung der konjunkturellen Aussichten zwischen Optimismus und Pessimismus. Einerseits erwartet mit knapp 80 Prozent die große Mehrheit der Manager in Mittelstand und großen Firmen keinen baldigen Aufschwung, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young ergab. Andererseits rechnen 41 Prozent mit weiteren Auftragszuwächsen.

Mehr als zwei Drittel der über 1800 beteiligten Führungskräfte gehen davon aus, dass sich die Krise am Arbeitsmarkt weiter verschärft. Die Großzahl der Unternehmen halte sich mit Investitionen zurück. Nach Einschätzung einer deutlichen Mehrheit (63 Prozent) bringt das Vorziehen der letzten Steuerreformstufe keine Konjunkturimpulse. "Der Aufschwung in Deutschland ist mehr Wunsch als Wirklichkeit", urteilte Cap Gemini. Obwohl das Schlimmste vorbei sei, bestehe keineswegs Grund für Optimismus.